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ISLAM

 
 
     
 
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Video 1 Der Film beginnt mit den Boten des Propheten Muhammed (s.a.v.), die seine Botschaft an die Führer der Welt überbringen. 0:46 Min. 2.50 MB
Video 2 Die Situation Mekkas vor Muhammeds (s.a.v.) Berufung zum Propheten Gottes. 0:42 Min. 2.35 MB
Video 3 Die Höhle Hira und die ersten Verse, die ALLAH seinem Propheten über den Engel Gabriel a.s. überbringen ließ. 0:53 Min. 2.56 MB
Video 4 Die Stammesführer Mekkas versuchen Muhammed (s.a.v.) von seiner Botschaft abzubringen und versprechen ihm hohe Stellung und Reichtum. 1:05 Min. 3.42 MB
Video 5 Die Antwort Muhammeds (s.a.v.), überbracht durch sein Onkel Abu Talib. 0:26 Min. 1.32 MB
Video 6 Der Sklave Bilal wird Muslim. 3:28 Min. 11.1 MB
Video 7 Die Botschaft Muhammeds (s.a.v.) wird von der jungen muslimischen Gemeinschaft zum ersten Mal öffentlich verkündet. 3:02 Min. 0.57 MB
Video 8 Der mühsame und schmerzliche Marsch zur Kaaba. 1:23 Min. 4.57 MB
Video 9 Das große Leid der ersten Muslime. 1:23 Min. 4.94 MB
Video 10 Die nach Abessinien ausgewanderten Muslime bitten den christlichen Herrscher um Asyl. 0:26 Min. 1.34 MB
Video 11 Die bittersten Jahre in Muhammeds (s.a.v.) Leben 1:53 Min. 6.10 MB
Video 12 Muhammed (s.a.v.) wird gebeten, nach Medina zu kommen, um zwischen zerstrittenen Parteien zu schlichten. 1:27 Min. 4.66 MB
Video 13 Die Auswanderung der Muslime nach Medina 0:48 Min. 2.57 MB
Video 14 Die Götzendiener verfolgen Muhammed (s.a.v.) und seinen treuen Gefährten Hz. Abu Bakr bis zur Höhle. Doch ALLAH hilft seinen Dienern. 1:31 Min. 4.92 MB
Video 15 Muslime bekommen von ALLAH die Erlaubnis, sich zu verteidigen. 1:01 Min. 3.32 MB
Video 16 Die Behandlung der Kriegsgefangenen durch die muslimische Gemeinschaft. 0:31 Min. 1.72 MB
Video 17 Der Hudaybiya-Friedensvertrag 1:18 Min. 4.16 MB
Video 18 Die Botschaft des Islam verbreitet sich in ganz Arabien. 3:18 Min. 10.7 MB
Video 19 Khalid bin Walid, der geniale Feldherr, wird Muslim. 1:27 Min. 4.70 MB
Video 20 Nachdem die Götzendiener den Hudaybiya-Friedensvertrag brechen, versammeln sich Muslime aus allen Stämmen Arabiens 0:48 Min. 2.64 MB
Video 21 Der glorreiche Einmarsch der Muslime in Mekka 6:00 Min. 13.2 MB
Video 22 Der Prophet Muhammed (s.a.v.) säubert die Kaaba von den Götzen 0:48 Min. 2.64 MB
Video 23 Muhammed (s.a.v.) vergibt allen Feinden in Mekka 0:40 Min. 2.22 MB
Video 24 Kurz vor seinem Tod spricht Muhammed (s.a.v.) vor seinen Anhängern 2:02 Min. 6.57 MB
Video 25 Die muslimische Geminschaft heute. 0:50 Min. 2.79 MB

   
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  Dua        
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  Dua von der 27. Nacht im Ramdan 2002     shuraim_dua.ram 1,72 MB
           
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Talaa Al Badra Alayna (Hijra-Empfangsnasheed)

mit Yusuf Islam

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Den Islam verstehen

Was ist der Islam?

Der Islam ist eine Weltanschauung. Der Islam lehrt die Wahrheit, die Allah allen Seinen Propheten offenbart hat. Der Islam ist nicht nur ein religi?ser Glaube; er ist eine vollkommene Lebensweise. Egal ob es um Erziehung, Familienleben, Verhalten der Menschen, Wirtschaft, Politik oder andere Dinge des Lebens geht: der Islam hat diese nicht au?er acht gelassen und gibt den Gl?ubigen Anweisungen; so wissen sie, was sie tun und wie sie sich verhalten sollen.

Woran glauben die Muslime?

Die Muslime glauben an den einzigen Gott, arabisch "Allah". Sie glauben auch an die Propheten, die Allah mit Seinen Offenbarungen zu den Menschen und V?lkern gesandt hat. Ferner glauben sie an den Tag der Auferstehung und das Leben nach dem Tod und daran, dass an diesem Tag ihr Tun in dieser Welt von Allah belohnt bzw. bestraft wird. Die Muslime glauben an alle Propheten, die Allah gesandt hat. Diese Reihe von Propheten beginnt mit Adam. Andere Propheten Allahs waren z.B. Nuh, Ibrahim, Ismail, Yaqub, Yusuf, Ayyub, Musa, Davud, Yunus und Isa (Allahs Friede sei mit ihnen allen). Der letzte Gesandte Allahs war Muhammad (Allahs Friede sei mit ihm und seinen Nachkommen).

Wie wird man Muslim?

Wer mit seiner Zunge und vor allem auch mit seinem Herzen sagt: "Ich bezeuge: es gibt keinen Gott au?er Allah, und ich bezeuge: Muhammad ist Sein Prophet!", der ist ein Muslim. "Muslim" hei?t, dass man sich Allah ergeben hat, denn es gibt nichts, was Allah überlegen w?re. Dieses Glaubensbekenntnis wird auch als "Schahada", d.h. "Zeugnis" bezeichnet.

Haben die Christen und Juden einen anderen Gott als die Muslime?

Nein. Auch das Christentum und das Judentum gehen zurück auf Ibrahim. Die Propheten von Judentum, Christentum und Islam, d.h. Musa (a.s.), Isa (a.s.) und Muhammad (s.a.s.) sind alle drei Nachfahren Ibrahims. Muhammads (s.a.s.) Vorfahren gehen auf den ?ltesten Sohn Ibrahims, Ismail, zurück; Isa und Musa (a.s.) stammen von Ismails Sohn Ishaq ab.

Wer war Muhammad?

Muhammad wurde 570 n.Chr. in Mekka geboren. Sein Vater starb noch vor seiner Geburt, und als auch seine Mutter bald starb, wuchs er im Haus seines Onkels auf. Als Erwachsener war er bekannt für seine Aufrichtigkeit und Zuverl?ssigkeit, und oftmals musste er in Streitigkeiten vermitteln. Muhammad war ein sehr religi?ser Mensch. Immer hatte er die schlechten Erscheinungen in der Gesellschaft angeklagt. Immer wieder zog er sich in die Einsamkeit zurück, um dort in aller Ruhe nachzudenken und zu meditieren.
Dazu ging er auf den "Berg des Lichtes" (Dschabal al-Nur), in die H?hle Hira.

Wie wurde Muhammad ein Prophet?

Im Alter von 40 Jahren, als er sich wieder einmal in diese H?hle zurückgezogen hatte, erhielt er seine erste Offenbarung von Gott durch den Engel Gabriel. Der gesamte Heilige Qur'an wurde dann in einem Zeitraum von insgesamt 23 Jahren offenbart. Prophet Muhammad (s.a.s.) und seine wenigen Anh?nger wurden von den G?tzendienern verfolgt. Schlie?lich wurde die Lage in Mekka so schlimm, dass die Muslime nach Medina auswanderten. Dieses Ereignis ist als "Hidschra" bekannt. Das war im Jahre 622; mit diesem Jahr beginnt die islamische Zeitrechnung. Doch der Islam breitete sich immer mehr aus. Als Prophet Muhammad (s.a.s.) im Alter von 63 Jahren starb, war nahezu die gesamte arabische Halbinsel islamisch geworden. Innerhalb eines Jahrhunderts nach seinem Tod war der Islam verbreitet von Spanien im Westen bis nach China im Osten.

Was ist der Qur'an?

Der Heilige Qur'an enth?lt genau die Worte, die der Engel Gabriel Prophet Muhammad (s.a.s.) offenbart hat. Der Prophet trug diese Verse seinen Gef?hrten vor, und sie wurden von einigen Schreibern aufgeschrieben. Kein einziges Wort der insgesamt 114 Suren wurde im Laufe der Zeit ver?ndert. Der Heilige Qur'an ist die letzte Schrift, die Allah den Menschen offenbart hat. Für jeden Muslim ist der Qur'an die Grundlage für seinen Glauben und sein Handeln. Die Verse des Qur'an befassen sich mit allen Dingen, die für uns Menschen wichtig sind. Der Qur'an lehrt uns z.B. wie man Allah dienen und Ihm nahe sein kann und wie man Allahs Zufriedenheit erlangen kann.

Gibt es noch andere heilige Quellen?

Ja, au?er dem Heiligen Qur'an, der die erste und wichtigste Quelle des Islam ist, gibt es die Sunna des Propheten (s.a.s.). Die Sunna umfasst die Sitten, Traditionen und insgesamt die Lebensweise des Propheten (s.a.s.) Das bedeutet, dass alles, was uns zuverl?ssig vom Propheten überliefert ist, z.B. was er sagte, tat oder zulie?, für die Muslime von Bedeutung ist. Sein Verhalten ist für die Muslime Vorbild. Wir wollen abschlie?end einen Blick auf einige Aussprüche des Propheten (s.a.s.) werfen. Wenn wir ein wenig darüber nachdenken, werden wir feststellen, dass die Werte und Verhaltensweisen, die darin angesprochen werden, dem Menschen und der Gemeinschaft nützlich sind. Der Prophet (s.a.s.) sagte:

"Niemand von euch ist ein aufrichtiger Gl?ubiger, solange er für seinen Bruder nicht das wünscht, was er für sich selbst wünscht." "Wer morgens aufsteht, ohne den Angelegenheiten der Muslime Beachtung zu schenken, geh?rt nicht zu ihnen.". "Wahrlich, alles Gute wird mit dem Verstand erkannt, und keine Religion hat, wer keinen Verstand hat.". "Wisse, wenn Gott durch dich einen einzigen Menschen rechtleitet, ist das besser für dich als die Welt und alles was darinnen ist.". "Das Wissen steht über allen guten Dingen, und die Unwissenheit steht über allen schlechten Dingen.". "Die H?nde sind von dreierlei Art: Die Nehmende, die Gebende und die Zurückhaltende. Und die beste Hand ist die Gebende.". "Mit Geduld gelangt man zum Ziel."
"Untersch?tzt nicht das B?se, selbst wenn es in eurem Augen noch so klein erscheint, und übersch?tzt nicht gute Taten, wenn sie in euren Augen auch noch so gro? erscheinen."

Welchen Einfluss hatte der Islam auf die Welt?

Der Qur'an fordert die Menschen immer wieder auf, nach Wissen zu streben.. Vom Propheten (s.a.s.) ist überliefert, dass er sagte. "Nach Wissen zu streben ist eine Pflicht für jeden Muslim und jede Muslima. Innerhalb weniger Jahrzehnte sind Zentren der Gelehrsamkeit entstanden. Dort haben sich die Muslime mit den Wissenschaften besch?ftigt. So brachten sie gro?e Fortschritt in den unterschiedlichsten Bereichen zustande. In der Medizin, Physik, Mathematik, Geographie, Astronomie, Architektur usw. haben sie hervorragende Leistungen erzielt.

Warum wird der Islam von vielen Menschen im Westen gefürchtet?

Der Glaube spielt im Leben der Menschen im Westen heutzutage meistens keine Rolle mehr. Sie sagen, sie wollen das Leben genießen und nicht viel nachdenken über den Sinn des Lebens, woher wir Menschen kommen und wohin wir gehen, usw. Der Glauben und die Religion sind in den Hintergrund getreten. Die Muslime leben ihren Glauben im Gegensatz dazu. Wie bereits gesagt wurde, umfasst der Islam das gesamte Leben des Menschen. Sie versuchen, in allem, was sie tun, die Gebote Allahs zu erfüllen.

 



1. Die Grundzüge des Islam

Das arabische Wort Islam läßt sich mit "Hingabe, Ergebenheit" wiedergeben. Die davon abgeleitete Form Salam bedeutet "Frieden". Dementsprechend ist Muslim derjenige, der sich dem Willen der einen Wirklichkeit, nämlich Allah (Gott), mit ganzem Herzen hingibt und dabei inneren wie äußeren Frieden findet.

1.1. Einheit

Das Haupt anliegen des Islam ist das Bekennen der Einheit Gottes (arabisch : tawhid). Der zentrale Grundsatz lautet : Keine Gottheit außer Gott, was bedeutet, dass nichts auf eine Stufe mit Gott gestellt werden kann und Er allein das absolute, von allem unabhängige Sein ist, während alles, was existiert, von Ihm abhängt. Er ist die absolute Realität, die alles sichtbare und Unsichtbare, Lebendige und Leblose aus dem Nichts erschafft und erhält. Wenngleich die gesamte Schöpfung Seine Weisheit bezeugt, steht Er doch über allen sinnlichen Wahrnehmungen und rationalen Konzepten : Gott ist außerhalb aller Geschöpflichkeit, jedoch nicht von ihr getrennt. Er ist dem Menschen näher als dessen eigene Halsschlagader (vgl. Sure 50, Vers16 ). {und doch kein Teil von ihm}{Er besteht nicht aus Komponenten, in die Er sich auseinander dividieren lassen würde}. Durch innere Läuterung und unablässige Bejahung dieser einen Wirklichkeit überwindet der Gläubige den scheinbaren Widerspruch zwischen unerreichbarer Transzendenz und göttlicher Allgegenwart, so dass er schließlich in allem nur noch den Einen bezeugt.

1.2.Propheten

Der zweite Teil des islamischen Bekenntnisses, dass "Muhammad der Gesandte Gottes" ist, hat nicht die ausschließliche Bedeutung, die ihm oft beigemessen wird. Die Anerkennung der prophetischen Sendung ist keineswegs auf Muhammad (friede sei mit ihm ) beschränkt. Der Qur'an lehrt, dass sich Gott seit Anbeginn der Menschheit immer wieder den verschiedenen Völkern offenbart hat. Dazu erwählte Er besonders edle Menschen als Träger der Offenbarung und Verkünder Seines Gesetzes. Die Propheten und Gesandten Gottes sind jedoch ohne Ausnahme Menschen und keine Übermenschen oder gar Götter : Abraham, Noah, Moses, Jesus und zahlreiche andere Propheten (Friede sei mit ihnen allen) schöpften aus der selben Quelle der Offenbarung, um den Menschen jene Daseinzusammenhänge klarzulegen. Die durch wissenschaftliche Erkenntnis nicht vermittelt werden können. Die Muslime glauben an alle Gesandten Gottes und machen "keinen Unterschied zwischen ihnen" (vgl. Sure 2, Vers 285). Muhammad (Friede sei mit ihm) ist der letzte, der ihre Reihe abschließt und ihre Botschaften bestätigt.

1.3. Jenseits

Die Existenz des Menschen endet nicht mit seinem körperlichen Ableben. Der Tod ist ein natürliche Übergang in ein jenseitiges Dasein. Diesseits und Jenseits stehen in unmittelbarer Verbindung : das Diesseits ist der Acker und das Jenseits die Ernte der Handlungen des Menschen. Nach einem geistigen Zwischenstadium werden ihm seine Taten gemäß ihren Absichten am "Tag des Gerichts" vorgeführt. Niemandem wird dabei auch nur das geringste Unrecht geschehen (vgl. Sure 57, Vers 20) und das Jenseits höher und von ewigem Charakter ist (vgl. Sure 87, Vers 16 ).

1.4.Mensch

Gott hat die Schöpfung nicht hervorgebracht, um Nutzen daraus zu ziehen, sondern Er schenkt Seinen Geschöpfen durch ihr dasein die Möglichkeit zur eigenen Entwicklung. Der Mensch gilt im Qur'an als "Stellvertreter Gottes" auf Erden. Ihm hat Gott von seinem Geist eingehaucht. Der Mensch ist somit Träger des göttlichen Vertrauenspfandes und dank seiner Willensfreiheit gegenüber sich und der gesamten Schöpfung verantwortlich. Jeder Mensch hat eine "göttliche Anlage" und einen Hang zum Guten wie auch zum Bösen. Seine guten Neigungen führen ihn zu geistig-seelischer Reife; gerät er aber unter die Herrschaft seiner niederen Triebe, dann handelt er gegen die göttliche Ordnung und seine eigene Entwicklung. Alle Menschen, ob Mann oder Frau, Schwarz oder Weiß, arm oder reich haben den selben Stellenwert vor Gott und dem Gesetz. Das Einzige, was sie unterscheidet, ist der Grad ihrer Gottesfurcht und ihre Nähe zum Schöpfer (vgl. Sure 49, Vers 13).

1.5. Qur'an

Der Qur'an, der dem Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) im Laufe von 23 Jahren offenbart wurde, ist Warnung und " Rechtleitung für die Menschen" (vgl. Sure 2, Vers 185 ). Er bestätigt und vollendet alle früheren Heilsbotschaften. Sein Stil ist unerreicht, sein Inhalt seit dem Jahre 632 bis zum heutigen Tag unverfälscht überliefert worden. Er ist Gotteslehre, Moralkodex und Gesetz in einem. Wo er keine konkreten Aussagen macht, wird er von der "Sunna", dem vorgelebten Beispiel des Propheten, ergänzt.

1.6.Glaubenspraxis

1.6.1. Gebet

Dem fünfmal am Tag zu verrichtenden Gebet (arabisch salah), das man allein wie auch in der Gemeinschaft verrichten kann, geht eine Waschung voraus. Das rituelle Gebet besteht aus der Rezitation einzelner Teile des Qurans, begleitet von Körperhaltungen wie aufrechte Stellung (Qiam), Verbeugung (Rekuu) und Niederwerfung (Sejuud), die das Glaubensmoment der dienenden Hingabe verkörpern. Das Gebet ist dem Gläubigen kein sinnentleerter Ritus, sondern Konzentration und tiefes inneres Bedürfnis. Der Sinn des Gebetes wird vor allem in seiner Schutzfunktion gegen üble Gedanken und Handlungen gesehen (vgl. Sure 29, Vers 45). Das rituelle Gebet schließt das freie Gebet (Duaa) nicht aus. Besinnung und Gottgedenken stärken den Geist des Betenden; er schöpft Kraft, im täglichen Leben maßhalten zu können und keine Übertretungen zu begehen. Obwohl die Moschee (arabisch Masjid, d.h. Ort der Niederwerfung) der geeignete Ort für die Gebete ist, müssen sie nicht dort verrichtet werden, da laut einer prophetischen Aussage die ganze Erde als ein Gebetsraum gilt.

1.6.2.Sozialabgabe

An über achtzig Stellen erwähnt der Qur'an die Sozialabgabe bzw. Armensteuer (arabisch : Zakat) zusammen mit der Verpflichtung zum Gebet. Die Armen und die Bittenden haben ein Anrecht auf das Vermögen der Gemeinschaft, "damit die Reichtümer nicht nur unter denen umlaufen, die schon reich sind " (vgl. Sure 59, Vers 7). Die Sozialabgabe, die andere Spendenformen nicht ausschließt, wird ausführlich in der islamischen Rechtswissenschaft behandelt.

1.6.3.Fasten

(arabisch : Sawm) im Monat Ramadan, dem neunten Monat im islamischen Mondjahr, vorgeschrieben und an anderen Tagen des Jahres als freiwilliger Verzicht empfohlen, ist eine Übung zur Selbstbeherrschung, Willenskraft und inneren Einkehr. Das Fasten reinigt Körper und Geist. Vom Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang enthält sich der Fastende u.a. des Essens, Trinkens, übler Worte, Werke und Gedanken. Er sucht seine Zuflucht bei Allah in Gebet und selbstreflexion. Das Fasten stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl der muslimischen Gemeinde. Den Wohlhabenden macht das Fasten auf die Situation der Notleidenden aufmerksam und bricht ihren Hochmut und falschen Stolz.

1.6.4.Pilgerfahrt

Bei der alljährlichen Wallfahrt (arabisch : Hajj) versammeln sich Millionen von Muslimen in Mekka und Umgebung. In verschiedenen rituellen Handlungen folgen Sie den Ursprüngen der islamischen Botschaft. Das Umschreiten der von Abraham und Ismail errichteten Kaaba in Mekka, das Verweilen im geschichtsträchtigen Tal von Arafat, die sinnbildliche Steinigung des Satans und das abschließende Opfer verbinden sie in eindrucksvoller Weise mit der abrahimitischen Tradition des reinen Monotheismus. Die Pilgerfahrt gilt als Symbol der muslimischen Einheit. Die Versammlung von Gläubigen aus aller Welt bietet Gelegenheit, einander kennenzulernen, Probleme gemeinsam zu beraten und die Eintracht und Brüderlichkeit zu stärken.

1.6.5. Jihad

Nach dem quranischen Prinzip "nicht zu unterdrücken und sich nicht unterdrücken zu lassen" übernimmt der Mensch Pflichten sich selbst und seinen Mitmenschen gegenüber. Sind die Gemeinschaft und die menschlichen Werte bedroht und alle friedlichen Mittel erschöpft, wir "Jihad", d.h. die Anstrengung auf dem Wege Gottes, zur Pflicht. Unter dem oft fälschlich mit "Heiliger Krieg" wiedergegebenen Begriff wird eine reine Verteidigungsbemühung verstanden; dabei verlangt der Qur'an von seinen Anhängern, auch gegenüber aggressiven Menschen in Gerechtigkeit zu verfahren (vgl. Sure 5, Vers 8). Als "großer Jihad" gilt der Kampf des Menschen gegen sein Ego. Durch die Läuterung des Herzens soll das göttliche Element entwickelt werden, damit der Mensch sich vom Gefängnis seiner Begierden befreien kann.

1.6.6. Gutes gebieten und schlechtes verwehren

Im Islam bilden Individuum und Gesellschaft, Religion und Politik, Gesetz und Moral eine Einheit. Der Muslim - ob man oder Frau - ist gegenüber sich selbst und seiner Gemeinschaft verantwortlich (vgl. Sure 9, Vers 71). Das universale quranische Gebot soll den Glauben und die Gemeinschaft vor schädlichen Einflüssen bewahren und die Menschen durch eine einladende Darbietung mit den Inhalten des Islam vertraut machen.

1.7. Moral

Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Güte gegenüber den Eltern und Verwandten, Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und Gerechtigkeit gegenüber Freund und Feind sind Eigenschaften, die für jeden Muslim gelten. Aus Ehrfurcht und Liebe zu Gott schöpft der Gläubige Liebe und Achtung seinen Mitmenschen gegenüber. Moralisches Handeln gilt als grundlegende Voraussetzung für die Innerlichung des Glaubens. Treuhänder der überlieferten Glaubenslehren sind die Gelehrten, die vor allem Rechtsgelehrte sind. Der Muslim befolgt die religiösen Gebote aus Überzeugung; für die Vertiefung seines Glaubens ist er allein verantwortlich, und er wendet sich direkt an Gott.



2.Allah - gesetzgebender und liebender Gott

"O ihr Menschen, gedenket der Gnade Gottes gegen euch. Gibt es einen Schöpfer außer Gott, der euch vom Himmel und von der Erde her versorgt?. Es gibt keinen Gott außer Ihm! Wie könnt ihr euch abwendig machen lassen ?." (Sure 35, Vers 3 )

Es ist eine weitverbreitete Vorstellung, das islamische Gottesbild zeige einen grausamen und despotischen Gott, der den Menschen eine Unzahl von Verboten auferlegt habe, aber keine Liebe kenne. Gott sei im Islam nur der strenge Richter, der jeden Verstoß gegen seine Anordnungen bestrafe, und der Mensch sein Sklave, der keine wirkliche Beziehung zu Gott haben könne. Diese Vorstellung allerdings hat nichts mit dem zu tun, was uns der Quran über Gott und Seine Beziehung zur Schöpfung lehrt. Der Islam sagt, dass Gott eben gerade deswegen der gesetzgebender Gott ist, weil er der liebende Gott ist. Denn Gottes Gebote sind kein starres, irrationales Zwangsystem, sondern eine Rechtleitung für den Menschen, deren Sinn und Nutzen durch den Verstand erfaßt werden können.

2.1.Mensch in der Schöpfung

Gott ist Ursacher und Erhalter der Schöpfung. Er ist absolute Realität, unerschaffen und ewig und nichts ist Ihm gleich. Der Mensch hat von Gott die Fähigkeit erhalten, mittels seiner Vernunft über die gesamte Schöpfung- einschließlich seiner selbst - reflektieren zu können. Gott hat den Menschen zu Seinem "Stellvertreter auf Erden" gemacht (vgl. Sure 2, Vers 30 ). Der Mensch ist erschaffen und vergänglich, nimmt aber in der Schöpfung die höchste Stufe ein und ist auf Richtlinien angewiesen, die ihm ermöglichen, auf Erden harmonisch und sinnvoll zu leben. Gott hat daher den Menschen immer wieder Propheten gesandt, die ihnen Offenbarungen Gottes übermitteln, aus denen Sie lernen können, ihre Aufgabe als Stellvertreter Gottes gerecht zu werden :

"Verheißen hat Allah denen unter euch, die glauben und gue Werke tun, dass Er sie gewißlich zu Nachfolgern auf Erden machen wird, wie Er jene, die vor ihnen waren, zu Nachfolgern machte; und dass Er gewißlich ihren (Stand) nach ihrer Furcht, in Frieden und Sicherheit verwandeln wird : Sie werden Mich vereheren, (und) sie werden Mir nichts zur Seite stellen. Wer aber hiernach undankbar ist, das werden die Empörer sein. Und verrichtet das Gebet und zahlt die Zakat und gehorcht dem Gesandten, auf das ihr Barmherzigkeit empfangen mögt." (Sure 24, Verse 55-56)

Nach islamischer Auffassung war der letzte dieser göttlichen Gesandten Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm ). Jedoch werden alle anderen Gesandten vor ihm anerkannt und im Quran als Beispiele und Modelle rechtschaffener Menschen angeführt. Die erste Offenbarung, die Muhammad (Friede sei mit ihm ) empfing, lautete :

"Lies im Namen Deines Herrn, Der erschaffen hat, den Menschen erschaffen hat aus einem Klumpen Blut. Lies! Denn Dein Herr ist der Allgütige, Der durch die Feder lehrte, den Menschen lehrte, was er nicht wußte." (Sure 96, Verse 1-5 )

Schon in der ersten Offenbarung an Muhammad (Friede sei mit ihm ) weit Gott darauf hin, dass Er der Allgütige ist, der die Menschen lehrt. Er teilt den Menschen auch mit, dass Er eingütiger Schöpfer ist, der das Gute für die Menschen möchte. Daher ist eine Unterwerfung unter Seinen Willen für vernünftige Geschöpfe keine Demütigung, sondern eine Erhöhung.

2.2.Liebe und Gesetz

Die Leitung und Führung, die Gott den Menschen durch Seine Gesandten gebracht hat, ist Ausdruck Seiner Gnade und Liebe. Daß Gott den Menschen zu Seinem Stellvertreter auf Erden gemacht hat, dass Er ihn lehrt und ihm reichlich Unterhalt und Versorgung zuteil werden läßt, das alles zeigt, dass Gott Seine Schöpfung liebt. Gottes Liebe gegenüber der Schöpfung und insbesondere Gottes Liebe zum Menschen manifestiert sich in der Schöpfung und ist für jeden Menschen, der von seiner Vernünft Gebrauch macht , zu erkennen. Einer der 99 schönsten Namen Gottes lautet AL-Wadud, der Liebende :

"Er ist es, Der erschafft und wiederkehren läßt; und Er ist der Allverzeihende, der Liebende, der Herr des Throns, der Hocherhabene, Bewirker alles dessen, was Er will" (Sure 85, Verse 13-16 ).

Da der Mensch der Rechtleitung bedarf, ist es eine Form von Gottes Liebe, wenn Er ihm Gesetze gibt. Viele Menschen haben hier oft mißverständliche Vorstellungen, denn sie denken bei dieser Formulierung unwillkürlich an eine sinnentleerte Kausistik. Der Quran lehrt uns, dass die Gesetze Gottes Richtlinien für das menschliche Handeln sind, deren Einhaltung den Menschen ein friedliches und harmonisches Zusammenleben ermöglicht. Alle Gesetze, die Gott den Menschen gibt, haben einen Sinn und Gott fordert den Menschen auf, diesen Sinn zu verstehen. Der Mensch als Stellvertreter Gottes auf Erden soll wissen, was er tut, und nicht nur mechanisch Befehle ausführen. Hierin liegt die besondere Stellung des Menschen begründet : er soll aus freien Stücken heraus das Gute akzeptieren, weil er verstanden hat, was gut ist!.

2.3.Selbsterkenntnis

Zur Erkenntnis Gottes gehört aber auch Selbsterkenntnis. Der Mensch muß zuallererst sich selbst begreifen, denn nur ein Mensch, der seine Relativität und Leitungsbedürftigkeit erkannt hat, wird sich mit Freuden in den Willen Gottes ergeben. Ein Mensch, der seine Relativität nicht erkannt hat, wird hochmütig sein und keine Autorität anerkennen wollen. Er wird nicht seiner gottgegebenen Vernunft folgen, sondern seinem Ego, welches ihm Trugbilder vorspiegelt und zur Auflehnung gegen Gottes Gebote und letztendlich zur Unglückseligkeit führt.

"Was ihr Gutes habt, es ist von Gott; und wenn euch ein Unheil befällt, dann fleht ihr Ihn um Hilfe an. Doch wenn Er das Unheil dann von euch hinwegnimmt, siehe, da (beginnt) ein Teil von euch, ihrem Herrn Götter zur Seite zu stellen, (so) dass sie verleugnen, was wir ihnen beschert haben" ( Sure 16, Verse 53-54 )

Genau dies ist die Absicht des Islam : Sich Gottes Liebe und Barmherzigkeit immer und überall bewußt zu sein und nur die Dinge zu tun, die Gott dem Menschen erlaubt hat, weil diese zu seinem Besten sind. Natürlich kennt der Islam auch die intensive Verbindung zwischen Gott und dem Menschen, in der der Mensch alles vergißt, was um ihn ist. Das fünfmalige Rituelle Gebet, das der gläubige Muslim jeden Tag verrichtet, ist die intensivste Verbindung zwischen ihm und Gott, in der Seine Nähe am stärksten gespürt werden kann. Jeder Mensch besitzt einen Geist, der ihm mit dem göttlichen Licht verbindet. Je mehr der Mensch lernt, seinen Geist von den Einflüssen seines Egos freizumachen, desto intensiver wird er die göttliche Nähe spüren. Jenseits und diesseits bilden eine Einheit und sind nicht voneinander zu trennen.

"Für die, welche Gutes tun, ist Gutes in dieser Welt, und die Wohnstatt des Jenseits ist noch besser. Herrlich fürwahr ist die Wohnstatt der Rechtschaffenen : Gärten der Ewigkeit, die sie betreten werden; Ströme durchfließen sie. Darin werden sie begehren. Also belohnt Allah die Rechtschaffenen." (Sure 16, Vers 30-31 )

Der Mensch soll nicht auf Erden leiden, damit er im Paradies Freuden empfinden darf. Gott eine solche Absicht zu unterstellen, wäre unvernünftig und nicht mit Seiner Größe, Weisheit, Gnade, Gerechtigkeit und Liebe vereinbar.

2.4. Befreiung

Gott möchte, dass die Menschen ihr Ego so erziehen, dass sie sich dem Paradies als würdig erweisen. Er möchte, dass sie nicht ihren niederen Gelüsten folgen, sondern ihre Vernunft gebrauchen und sich Gott anzunähern versuchen. Vor allen Dingen aber sollen sie sich von allen Abhängigkeiten außer der Abhängigkeit Gott gegenüber befreien und nur Gott alleine dienen. Diese Abhängigkeiten des Menschen können durchaus unterschiedlicher Natur sein. Es können sowohl Abhängigkeiten auf politischer Ebene oder aber auf persönlicher, individueller Ebene sein, indem man sich beispielsweise materialistischen Konsumzwängen - gleich welcher Art - unterwirft.

Jegliche Form von Abhängigkeit, die das menschliche Ego verleitet, sich von Gott abzuwenden, stellt eine Gefahr für den Menschen dar. Die Erziehung des Ego ist daher die vorrangigste Aufgabe des Menschen. Wenn ein Mensch sich ehrlich bemüht, diese Aufgabe zu bewältigen, wird Gott ihm dabei helfen. Das Leben wird zu einer ständigen Begegnung mit Gott :

"Gedenket Meiner, und Ich will eurer gedenken; und danket Mir und seid nicht undankbar gegen Mich!" ( Sure 2, Vers 152 )

Gott verspricht dem Menschen, dass Er ihm nahe sein wird, wenn er sich gottergeben verhält und vom schlechten und verbotenen abläßt. Wenn der Mensch sich entschlossen hat, auf Gott zuzugehen, dann kommt Gott ihm entgegen und hilft ihm bei seinen Schwierigkeiten:

"Und wenn Meine Diener dich nach Mir fragen : Ich bin nahe. Ich antworte dem Gebet des Bittenden, wenn er zu Mir betet. So sollen sie auf Mich hören und an Mich glauben, auf das sie den rechten Weg gehen mögen." ( Sure 2, Vers 186 ).

Dies soll jedoch keineswegs zur Passivität verleiten. Wenn das Leben eine ständige Begegnung Gottes mit dem Menschen sein soll, bedeutet dies, dass der Mensch selbst auch etwas leisten muß, um seine Saufgabe erfüllen zu können. Er darf nicht davon ausgehen, dass sein Glaube, sein Vertrauen und seine Hoffnung auf Gott ihn seiner Verantwortung entheben würde. Er soll vielmehr seine Aufgaben mit göttlicher Hilfe wahrnehmen und bewältigen.

Das Verhältnis Diener - Herr, wie es zwischen dem Menschen und Gott besteht, ist nicht von despotischer Natur. Der Mensch ist Knecht, weil ihm aufgrund seiner Relativität als geschaffenes Wesen gar nichts anderes übrigbleibt, denn er ist in seinen Möglichkeiten begrenzt. Gott aber ist der Liebende und Barmherzige Herr, der den Menschen leitet und führt, um ihn zu erhöhen. Es ist die Knechtschaft Gott gegenüber, die den Menschen erhöht, denn sie befreit ihn von allen anderen Abhängigkeiten.

 

3.Religion und Politik :
 

Unser Welt von heute wird beherrscht von Strukturen wirtschaftlicher und politischer Unterdrückung, die die Privilegien einiger weniger zu Lasten der Massen festschreiben wollen. Solange ethische Werte nicht in die Politik zurückfinden, wird es keine Hoffnung auf einen Weltfrieden geben.

Religion wird heute von vielen Menschen als Bedrohung empfunden, gerade dann, wenn sie auf politischer Ebene in Erscheinung tritt. Im Islam spielt die Politik eine entscheidende Rolle. So gilt es im Folgenden, der Frage nachzugehen, ob nicht schon Religion in ihrem Ansatz Politik beinhaltet, ja ob Politik und Religion als Einheit zu sehen sind.

3.1. Keine Gottheit außer Gott

Im Islam ist die Welt nur einer Macht unterstellt. Der Mensch sieht sich, seine Gesellschaft und seine Umwelt als Teil einer allumfassenden zielgerichteten Ordnung, die von einer Kraft durchströmt wird, die alles geschaffen hat und aufrechterhält.

Die Weltanschauung der Einheit hat zwei Aspekte : einen verneinenden und einen bejahenden. Zunächst werden alle Götzen, die Anstelle Gottes verehrt werden - Idole, Geld, Macht, Position usw. - verworfen; dann folgt die Bejahung, daß alles außer Gott vergänglich und nichtig ist. Niemandem soll sich der Mensch unterwerfen, keinem Zwang ausliefern und nur Gott gehorchen.

3.2. Kampf gegen Ungerechtigkeit In der Geschichte hat es Bewegungen gegeben, die eine gerechte Ordnung anstrebten : -

Erzieherische Bewegungen, die den Menschen aufzeigen, was gut und böse ist. Sie erschöpfen sich aber in der Beschreibung menschlicher Ideale. Wenngleich sie ein Idealbild der Gesellschaft entwerfen, sind sie letztendlich nicht in der Lage, diese Ideal umzusetzen. - Reformistische Bewegungen, die ihre Ziele klar umreißen und sich für deren Verwirklichung einsetzen.

Dabei berühren sie aber nicht die bestehenden Ordnungen. Um ihren Fortbestand sicherzustellen, gehen sie schließlich Kompromisse ein und neigen längerfristig dazu, ihre Ziele aus den Augen zu verlieren.-Revolutionäre Bewegungen, die sich dem herrschenden System mit einem klaren Programm und einer klaren ideologischen Grundlage widersetzten. In ihrem Kampf gegen die ungerechten Ordnungen scheuen sie keine Opfer, ihr Ideal einer gerechten Gesellschaft zu verwirklichen.

Die Bewegungen aller Propheten sind revolutionär: zwar verfolgen sie erzieherische und reformerische Ziele, gehen aber darüber hinaus und treten ein für die Beseitigung ungerechter Strukturen : anstelle korrupter Systeme soll eine menschliche Ordnung errichtet werden.

Immer dann, wenn die Ungerechtigkeit ihr Maximum erreicht, treten die Propheten in Erscheinung. Sie öffnen den Menschen die Augen, geben ihnen ein neues Bewußtsein und befreien sie von falschen Vorstellungen. Ihr Ziel ist die Gründung einer neuen, gerechten Gesellschaft. Dafür sind sie bereit, zu kämpfen :

*Und was ist mit euch, daß ihr nicht kämpft für die Sache Gottes und für die unterdrückten Männer, Frauen und Kinder, die sprechen : Unser Herr, führe uns heraus aus dieser Stadt, deren Bewohner Unterdrücker sind, und gib uns von Dir einen Helfer.* (Sure 4, Vers 75 )

Die größten Gegner der Propheten sind die ungerechten Herrscher gewesen. Gott schickte jedem Volk einen Propheten mit dem Auftrag, die Übertreter zu warnen :

*Wir haben für jedes Volk einen Gesandten erscheinen lassen (mit der Botschaft) : dienet Gott allein und beseitigt die Tyrannen.* ( Sure 16, Vers 36 ).

Die Propheten lehren nicht, sich Gott nur innerlich hinzugeben, sich nach außen aber anderen Menschen und Zwängen zu unterwerfen. Wären sie dann wirklich verfolgt worden, wenn sie nur einen inneren Weg gepredigt hätten ?. Hätte Nimrud den Propheten Abraham dann ins Feuer werfen lassen oder allgewaltige Pharao den Propheten Moses bekämpft ?.

Hätten die Römer die Hinrichtung Jesu geplant und Nero die ersten Christen ermordet ?. Die Propheten haben nämlich nicht nur den Weg der "Erleuchtung des Herzens" gepredigt, sie sind ebenso aktiv für die soziale Gerechtigkeit eingetreten. Sie riefen die Menschen zur Dienerschaft des einen Gottes auf und befreiten sie von den Fesseln des falschen Gehorsams.

3.3. Politik im Qur'an

Es mag verwundern, wenn wir den Begriff Politik (arabisch : Siyasa ) im Qur'an vergeblich suchen. Heißt das aber, dass der Islam nichts mit Politik zu tun hat ?. Ein Überblick über das quranische Begriffssystem zeigt, wie sehr hier Glaube und Politik verbunden sind.

So finden wir im Qur'an unter anderem die Begriffe Regierung (Hukm), Partei (Hizb), Führer(Imam), Gemeinschaft (Umma), Autoritäten (Ulu-l-amr ), Verantwortung (masula), Recht (haqq), Pflicht (Taklif) usw.

Politik wird im Islam als sinnvolle Regelung der Angelegenheiten der Gemeinschaft verstanden : die Angelegenheiten des Individuums, seine Beziehung zu anderen Menschen, das Verhältnis zwischen Volk und Regierung und zwischen der islamischen und anderen Gesellschaften sollen im Geiste des Glaubens geregelt werden. Das Ziel des Islam ist die Vervollkommnung des Menschen.

Diese Hinführung zu Gott kann aber nur in einem Gesellschaftlichen Rahmen stattfinden, der die Ausübung der "Hingabe an den einen Gott" ermöglicht. Die Gesellschaftsordnung soll mit den natürlichen Anlagen des Menschen in Einklang stehen.

Politik wird hier nicht im Sinne eines machtpolitischen Taktierens oder der Anwendung von Gewalt verstanden. Politik soll die Verwirklichung des göttlichen Gesetzes garantieren und Harmonie unter den Menschen schaffen.

Die politische Ordnung in einem islamischen Staat wird von einer übergeordneten Wahrheit geprägt. Es handelt sich nicht um eine Ordnung, die die "Wahrheit" formuliert, wie sie sie versteht. Die eigentliche Herrschaft über die Welt wird von ihrem Schöpfer und Erhalter ausgeübt.

Die Menschen tragen die Verantwortung, mit der Welt in Seinem Sinne umzugehen. Sie sind Teil einer allumfassenden Ordnung, in der Religion - jener Weg zu Gott und zur Vervollkommnung des Menschen- und Politik - die harmonisierende Regelung der gesellschaftlichen Angelegenheiten - eine untrennbare Einheit bilden.

Nur wenn die Religion Gottes wieder Einzug in die Politik findet, werden die Menschen gemeinsam die immer bedrohlichere Weltsituation meistern können.

 

4. Frieden und Gerechtigkeit

4.1. Frieden durch Hingabe

Unsere Zeit ist ausgeprägt von einer rein materialistischen Weltanschauung. Die Negation der spirituellen Werte hat die Menschen in eine gefährliche Sackgasse geführt : bedrohliches Wettrüsten, sowohl auf der Erde als auch im Weltraum, eine Weltordnung, die dem einen Teil der Menschheit Überfluß und dem anderen Hunger und Elend bringt, fortschreitende Umweltzerstörung usw. Dies alles ist Ausdruck der Gottesferne des heutigen Menschen und seiner mangelnden Bereitschaft, Verantwortung für die Schöpfung zu tragen, sowohl auf der persönlichen als auch auf der soziopolitischen Ebene. Allerdings beginnen viele Menschen auch wieder, den wahren Zweck ihres Daseins auf dieser Erde zu begreifen und nach Auswegen aus dem materialistischen Dilemma zu suchen.

Der Weg, der zum Frieden ( arabisch : salam ) führt, heißt auf arabisch Islam, d.h. Hingabe an den Einen Gott mit dem Versuch, unser Leben in Einklang mit Seinen Geboten zu bringen und dadurch in Harmonie mit uns selbst und mit anderen Geschöpfen zu leben, in Dankbarkeit gegenüber dem allgegenwärtigen Gott und dem Bewußtsein Seiner Anwesenheit :

"Wahrlich, im Gedanken Gottes finden die Herzen Frieden." (Sure 13, Vers 28 ).

Erst innerer Frieden kann zu äußerem Frieden führen. Menschen, die ihre Verbindung zu Gott aufrechterhalten, sind zu friedlichen zwischenmenschlichen Beziehungen fähig.

4.2. Frieden durch Gerechtigkeit

Frieden ist nur auf der Grundlage von Gerechtigkeit möglich. Die Schaffung von Gerechtigkeit ist das Ziel aller Propheten gewesen :

"Wahrlich, Wir (Gott) sandten unsere Gesandten mit klaren Beweisen und mit ihnen das Buch und die Waage herab, auf dass die Menschen Gerechtigkeit verwirklichen." ( Sure 57, Vers 25 ).

Die gläubigen Menschen sollen ihre Egoismen überwinden und stets für die Gerechtigkeit eintreten :

"O ihr Gläubigen, seid standhaft in der Gerechtigkeit und wahrhafte Zeugen vor Gott, sei es wider euch selbst, eure Eltern und nahen Verwandten; Arm oder Reich, Gott ist beiden näher als ihr. Folgt nicht euren Begierden, damit ihr gerecht handeln könnt. Wenn ihr ( die Wahrheit ) auch verhehlt oder ihr ausweicht, so hat Gott doch bestimmt Kunde darüber, was ihr tut." ( Sure 4, Vers 135 )

4.3. Gemeinsam für Frieden :

Frieden schaffen ist unsere alle Aufgabe. Nur wenn wir alle folgendes realisieren, kann sich eine konstruktive Zusammenarbeit im Dienste des Friedens entwickeln :

Gesellschaft menschlicher gestalten. Dazu bedarf es dem andersartigen gegenüber Toleranz und Achtung. Vor allem sollten wir jedem seine individuelle kulturelle und religiöse Identität zugestehen und die Menschen als gleichwertige Mitglieder einer großen Familie anerkennen.

Zusammenhänge erkennen zwischen Armut und Elend von Millionen von Menschen und dem materiellen Wohlstand und Fortschritt der Industrienationen; das verlangt ein gesteigertes Bewußtsein für die Probleme der Menschen in den Ländern der "Dritten Welt".

Eurozentrismus überwinden, d.h. uns nicht länger im Mittelpunkt des Weltgeschehens sehen. Wir dürfen die Forderung nach Frieden und Gerchtigkeit nicht auf unseren Lebensraum begrenzen. Denn gerade dort, wo Unfrieden mit militärischen Mitteln gestiftet wird, müssen wir aktiv für Frieden eintreten. Strukturelle Gewalt entwürdigt den Menschen ebenso wie physische Gewalt, und im Quran heißt es dazu :

"Unterdrückt nicht und laßt euch nicht unterdrücken." ( Sure 2, Vers 279 ).

Mit Unterdrückern kann es darum ebensowenig Frieden geben wie mit Aggressoren.

Feindbilder abbauen, die uns täglich von den Massenmedien geliefert werden, Feindbilder schüren Haß, trennen die Völker und verhindern Verständigung.

Waffenexporte verhindern. Die eigentlichen Nutznießer militärischer Konflikte sind internationale Rüstungskonzerne. Durch gezielte Waffenlieferungen sichern sich die Großmächte ihre strategischen, politischen und militärischen Interessen in der Welt.

Umweltschäden entgegenwirken. Dies ist nur durch eine tiefgreifende Veränderung unseres Verhaltens und Bewußtseins möglich. Wir sind nicht die Herren dieser Erde, sondern von ihrem Schöpfer als Statthalter eingesetzt, um sie zu bebauen und zu bewahren.

Verantwortung nach ethischen Werten ausrichten. Die Trennung der politischen Entscheidungsbefugnis und ethischem Empfinden bzw. religiösem Bewußtsein hat maßgeblich zur weltweiten Krise beigetragen, in dem sich Politiker mehr an Sachzwängen orientieren als an ihrem Gewissen.

5. Das islamische Recht ( Schariaa)
 

" Gottes ist die Herrschaft der Himmel und der Erde und dessen, was zwischen ihnen ist. Und Er hat Macht über alle Dinge ." ( Sure 5, Vers 120 )

Im Zuge der Berichterstattung der westlichen Medien über die islamische Bewegung und das Wiedererstarken des Islam in den islamischen Ländern ist der Begriff Schariaa mittlerweile zu einem recht bekannten und leider auch negativ besetzten Begriff geworden. Kaum jemand kennt jedoch seine wirkliche Bedeutung.

5.1. Was bedeutet Schariaa ?.

Die Bedeutung läßt sich aus der Gesamtheit des islamischen Weltbildes herleiten. Kern der islamischen Lehre ist "Tauhid" (Einheit Gottes), der reine Monotheismus. Der Muslim bekennt, dass es nur einen einzigen Gott gibt, Der alles Sein erschaffen hat und die Schöpfung erhält leitet und entwickelt.

In dieser Schöpfung hat Gott Gesetzmäßigkeiten erschaffen, die eine harmonische und geordnete Entwicklung der Schöpfung gewährleisten :

"Hast du denn nicht gesehen, dass Gott die Nacht in den Tag übergehen läßt und den Tag übergehen läßt in die Nacht und dass Er die Sonne und den Mond dienstbar gemacht hat, so dass jedes seine Bahn läuft zu einem bestimmten Ziel, und dass Gott wohl kundig ist dessen, was ihr tut?." ( Sure 31, Vers 29 ).

Der Mensch nimmt in dieser Schöpfung eine besondere Stellung ein, die als "Statthalterschaft Gottes auf Erden" (vgl. Sure 2, Vers 31 ) bezeichnet wird, da der Mensch von Gott mit besonderen Fähigkeiten ausgezeichnet worden ist, die es ihm ermöglichen, Macht über andere Teile der Schöpfung auszuüben. Diese Fähigkeiten schließen jedoch eine hohe Verantwortung des Menschen mit ein, da ihr Mißbrauch sowohl der Menschheit, als auch der übrigen Schöpfung immensen Schaden zufügen kann.

5.2. Weg zur Gottergebenheit :

Der mit einem freien Willen ausgestattete Mensch braucht also eine Rechtleitung, die ihm den Weg des rechten Gebrauches seiner Fähigkeiten weist, damit er diese zum Nutzen der Menschheit und der übrigen Schöpfung entfalten kann. Diesen Weg nennt der Islam Schariaa, denn Weg (zur Wasserquelle ) ist die wörtliche Übersetzung dieses arabischen Wortes.

Aufgezeichnet wird uns dieser Weg durch den Qur'an, d.h. die unverfälschte Offenbarung Gottes und durch die vorbildliche Handlungsweise Seines Propheten Muhammad (Gott segne ihn und seine Familie ), die auf arabisch Sunna ( Brauch, normatives Verhalten ) genannt wird.

Prophet Muhammad (Gott segne ihn und seine Familie ) stellt, wie auch alle Gesandten vor ihm, ein vortreffliches Beispiel für einen gottergebenen Menschen :

" Wahrlich, ihr habt an dem Propheten Gottes ein schönes Vorbild für jeden, der auf Gott und den letzten Tag hofft und Gottes häufig gedenkt." ( Sure 33, Vers 20 ).

Diese beiden Quellen zeigen dem Menschen einen Weg auf, der es ihm ermöglicht, im Einklang mit der göttlichen Schöpfungsordnung zu leben und seine Fähigkeiten zu entwickeln, so dass er ein wahrer Diener Gottes wird. Dieser Weg befindet sich daher auch in vollkommener Übereinstimmung mit der Vernunft, die im Islam als notwendiges Instrument zum Verständnis der Schariaa betrachtet wird. Die Schariaa ist also ein allumfassender Weg, der den Menschen zu Gott führt und ihm zugleich aufzeigt, wie Gottergebenheit praktisch verwirklicht werden kann.

5.3.Welche Bereiche umfaßt die Schariaa ?

Diese Frage wird eigentlich schon mit der Frage nach der Bedeutung der Schariaa beantwortet. Da der Islam die Unterwerfung unter den einzigen Gott bedeutet und die Schariaa der Weg ist, der den Menschen zu Gott führt, indem er ihn zeigt, wie man Gottergebenheit verwirklicht, ist es einleuchtend, dass die Schariaa alle Bereiche und Aspekte des menschlichen Lebens umfaßt.

Diese Formulierung bedarf einer genaueren Erläuterung, da sonst der falsche Eindruck entstehen könnte, es handle sich um ein einschränkendes Zwangssystem, das den Menschen reglementieren und beschränken möchte.

Die Schariaa als ein umfassendes und vor allen Dingen auch unteilbares System ist zwar ein Reglungssystem, jedoch kein Zwangssystem. Es ist vielmehr ein durch die Vernunft bestätigtes, einleuchtendes System. Die Schariaa ist deswegen umfassend und unteilbar, weil auch Gott allumfassend und unteilbar ist. Er ist allgegenwärtig und allmächtig, und Seine Herrschaft umfaßt alle Dinge.

Frieden und Gerechtigkeit können daher nur erreicht werden, wenn der Mensch bereit ist, sich in allen Bereichen des Lebens den göttlichen Normen zu unterwerfen, deren Sinn eben nicht die Unterdrückung des Menschen sondern die Wahrung seiner Würde und die Entwicklung seiner Fähigkeiten.

5.4. Unteilbares Rechtssystem

Die Schariaa umfaßt das gesamte menschliche Leben auf der individuellen Ebene von der Frage des richtigen Gebetes bis hin zur Frage der Wahl des Staatspräsidenten auf der gesellschaftlichen Ebene. Sie beschränkt sich dabei auf das Notwendige, denn sie ist immer zweckgebunden : sie soll den Menschen zu seinem eigentlichen Herrn führen und ihm eine harmonische Ordnung geben.

Die Schariaa ist vor allen Dingen eine Einheit, die nicht zerstückelt werden kann, ohne dass sie ihrer Identität beraubt wird. Die Normen der einzelnen Rechtsgebiete sind aufeinander abgestimmt und ergänzen einander, so dass man die Schariaa nicht mit anderen Rechtssystemen kombinieren kann, ohne dass sie dabei Schaden erleidet und ihrer Funktionsfähigkeit beraubt wird. Vor allen Dingen aber ist sie nicht statisch. Sie ist im Gegenteil dynamisch und verlangt stets die Berücksichtigung der aktuellen Gegebenheiten und Umstände der Zeit und des Ortes, an dem man sich befindet.

Aus der Schariaa praktische Rechtsnormen abzuleiten, ist daher Aufgabe der islamischen Rechtswissenschaft.

5.5. Islamische Rechtswissenschaft

Die Schariaa als solche ist noch kein vollständiges Rechtssystem. Deshalb wäre es falsch, sie mit dem islamischen Recht oder gar Strafrecht gleichzusetzen. Sie ist vielmehr die Quelle der islamischen Rechtswissenschaft, aus der die islamischen Juristen faktische Rechtsnormen entwickeln. Zwar enthält auch die Schariaa praktische Rechtsnormen, doch um eine solche Abteilung vollziehen zu können, bedarf es der Einsicht in die Schariaa, weshalb das islamische Recht als Figh, d.h. Einsicht, bezeichnet wird.

Das Ableiten der Rechtsnormen aus der Schariaa wird Idschtihad ( wörtlich : Anstrengung ) genannt. Dieser Idschtihad ist die eigentliche Aufgabe des islamischen Rechtsgelehrten, denn durch ihn wird die Dynamik des islamischen Rechts, seine Fortentwicklung und Anpassung an die sich verändernden Gegebenheiten der Zeit gewährleistet. Eine solche Aufgabe kann jedoch nicht ohne wirkliche Einsicht, also ohne ein tiefes und umfassendes Verständnis der Schariaa, bewältigt werden.

5.6. Dynamische Rechtsentwicklung :

Prophet Muhammad (Gott segne ihn und seine Familie ) hat immer die Entscheidung getroffen, die den göttlichen Normen entsprechend somit auch von der menschlichen Vernunft problemlos nachvollziehbar gewesen ist. Der islamische Jurist hat insbesondere die Aufgabe, diesen Sinn der Entscheidungen des Propheten herauszufinden und ihn dann auf die Probleme seiner Zeit zu übertragen. Während also manche praktische Entscheidungen in der Schariaa zeitgebunden sind, muß es die Aufgabe der islamische Juristen sein, durch Idschtihad die hinter diesen Entscheidungen stehenden zeitlosen Prinzipien der Schariaa zu ergründen, um auf diese Weise die mannigfaltigen Probleme zu lösen, mit denen die Menschen konfrontiert werden.

Zur Bewältigung dieser Aufgabe stehen dem islamischen Juristen als Instrumente u.a. die Vernunft (arabisch : Agl = und der Konsens der kompetenten Gelehrten ( arabisch idschma ) zur Verfügung. Durch diese Hilfsmittel ist es möglich, die zeitlichen Prinzipien der Schariaa zu ermitteln und somit das islamische Recht dynamisch fortzuentwickeln.

5.7. Geltungsbereich der Schariaa :

Die Schariaa ist grundsätzlich nur für den Muslim verbindlich, d.h. Angehörige anderer Religionen unterliegen auch in einem islamischen Staat nicht dem islamischen Recht. Nichtmuslimen wird in einem islamischen Staat aufgrund der Schariaa Rechtsautonomie gewährt. Sie können ihre rechtlichen Angelegenheiten autonom regeln, so dass die Schariaa nur bei Streitigkeiten zwischen Muslimen und Nichtmuslimen herangezogen wird. Wobei auch hier die Schariaa vorschreibt, auch die Rechtsvorstellung der Nichtmuslime zu berücksichtigen.

5.8. Anwendung der Schariaa :

Wie jedes andere Rechtssystem kann auch die Schariaa mißbraucht und zweckentfremdet werden. Es existiert kaum eine Phase in der Geschichte der islamischen Länder, in der von einer völligen Praktizierung der Schariaa gesprochen werden könnte. Meistens wurde die Schariaa von diktatorischen Herrschern mißbraucht, die diese verfälschten, zweckentfremdeten oder schlichtweg nicht beachteten. Auch heute noch versuchen viele Regime, die angeblich die Schariaa praktizieren, unter dem Deckmantel der Religion die Menschen zu unterdrücken, während damals wie heute viele islamische Rechtsgelehrte ihr Eintreten für eine wirkliche Befolgung der Schariaa mit dem Tod, Folter oder Verfolgung bezahlen müssen.

Die Schariaa kann jedoch nur dann ihren Zweck wirklich erfüllen, wenn einerseits die Menschen bereit sind, ihr zu folgen, und andererseits genügend aufrichtige Rechtsgelehrte vorhanden sind, die bemüht sind, den objektiven Sinn der Schariaa zu ermitteln, und sich nicht den Machtinteressen der Herrschenden beugen.

Die Muslime sind sich heute in immer stärkerem Maße bewußt, dass die Lösung ihrer vielfältigen Schwierigkeiten von ihrer eignen Bereitschaft abhängt, die Schariaa zu verwirklichen. Schon aus diesem Grunde kann man keinem Volk die Schariaa aufzwingen. Sie kann nur dort praktiziert werden, wo die Menschen die aufrichtige innere Bereitschaft haben, ihr Leben auf dem Weg zu beschreiten, den die schöpferische Weisheit ihnen durch die Schariaa aufgezeigt und geebnet hat :

" Wahrlich, Gott ändert die Lage eines Volkes nicht, solange sie ( die Menschen) nicht das ändern, was in ihnen ist." (Sure 13, Vers 12 ).

 

6.1. Frau im Islam

"O mein Volk, das Leben auf dieser Erde ist wahrlich nur ein vergänglicher Genuß ; und das Jenseits allein ist wahrlich die dauernde Heimstatt. Wer böses tut, dem soll nur mit Gleichem vergolten werden ; wer aber Gutes tut - sei es Mann oder Frau und dabei gläubig ist - , diese werden ins Paradies eintreten ; darin werden sie mit Unterhalt versorgt werden, ohne daß darüber Rechnung geführt wird ". ( Sure 40, Vers 39 ).

Nicht selten wird Muslimen und islamischen Gemeinschaften und Gesellschaften vorgeworfen, im Islam würden Frauen für minderwertiger erachtet als Männer und deshalb würden ihnen weniger Rechte und Freiheiten zugestanden als diesen.

Solche Vorwürfe kommen dadurch zustande, dass zweierlei miteinander verwechselt wird : Verhaltensmuster, Tradition und Einstellungen, die sich im Lauf der Zeit entwickelt haben und daraus resultierendes Gewohnheitsrecht in vielen sogenannten islamischen Ländern auf der einen Seite und die Rechtleitung, die Gott uns Menschen in Seiner Offenbarung an die Propheten gegeben hat, auf der anderen. Prophet Muhammad, Gott segne ihn und seine Familie, empfing in der Zeit zwischen 610 und 632 n.Chr. die letzte, uns vollständig im heiligen Qur'an überlieferte Verbaloffenbarung Gottes ; sie ist der unzweifelhafte Beweis für die göttliche Gnade und die beste Richtschnur für menschliches Handeln. Muslime, die gemäß dieser göttlichen Rechtleitung leben, unterdrücken nicht und sollen sich nicht unterdrücken lassen. Allah betont ausdrücklich :

".....Seht, Ich lasse kein Werk der Wirkenden unter euch verlorengehen, sei es von Mann oder Frau, die einen von euch sind von den anderen...." ( Sure 3, Vers 195 )

Muslimische Frauen sind der Meinung, dass die Quellentexte des Islam, nämlich der Qur'an und das, was uns über die Lebensweise des Propheten Muhammad bekannt ist, nur eine Tendenz verfolgen : Die Befreiung der Frau auf allen Gebieten unter Berücksichtigung ihrer speziell weiblichen Natur. Dieser Aspekt soll näher verdeutlicht werden.

6.2. Gleichheit vor Gott

Die Frau hat vor Gott den selben Stellenwert, wie der Mann. Sie ist ihm geistig völlig ebenbürtig. Sie ist in ihrer Fähigkeit sich zu vervollkommnen, d.h. die absoluten Eigenschaften Gottes wie Aufrichtigkeit, Schönheit, Weisheit, Großzügigkeit, Kreativität, Gerechtigkeit, Weisheit, Großzügigkeit, Wahrhaftigkeit, Lebendigkeit, Autorität, Mitgefühl, Geduld, Güte, Einzigartigkeit, Unabhängigkeit usw. anzustreben, genausowenig bzw. genausoviel eingeschränkt wie der Mann.

" Wahrlich, die muslimischen Männer und die muslimischen Frauen, Die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen, die gehorsamen Männer und die gehorsamen Frauen, die wahrhaftigen Männer und die wahrhaftigen Frauen, die geduldigen Männer und die geduldigen Frauen, die demütigen Männer und die demütigen Frauen, die Männer, die Almosen geben, und die Frauen, die Almosen geben, die fastenden Männer und die fastenden Frauen, die Männer, die ihre Keuschheit wahren, und die Frauen, die ihre Keuschheit wahren, die Männer, die Allah häufig gedenken, und die Frauen, die Allah häufig gedenken - Allah hat ihnen allen Vergebung und großen Lohn bereitet. " ( Sure 33, Vers 35 ).

In zahlreichen quranischen Versen wird eindeutig die Ansicht vertreten, dass Frauen und Männer aus einen ihnen entsprechenden Wesen erschaffen worden sind. Über den ersten Menschen heißt es :

" ..Der euch aus einem einzigen Wesen erschaffen hat, und aus ihm das ihm entsprechende andere Wesen, und aus ihnen beiden viele Männer und Frauen hat hervorgehen und sich über die Erde ausbreiten lassen..." ( Sure 4, Vers 1 )

Quranisch gesehen gibt es keine größere Anfälligkeit der Frau für Sünde. Der Islam lehrt uns, dass beide Urtypen des Menschengeschlechtes Adam und Eva, jeder selbstverantwortlich Gottes Gebot übertraten. Eva war nicht die Verführerin Adams !

" Doch Satan ließ beide daran straucheln und trieb sie von dort, worin sie waren. " ( Sure 2, Vers 37 )

Nicht nur Männer spielen Hauptrollen in quranischen Erzählungen, sondern der Qur'an nennt neben jedem großen Mann eine große Frau ; z.B. werden die Frauen Adams und Abrahams sowie die Mutter Moses und Jesus gepriesen, aber auch die Ehefrau Pharaos. Über Maria, deren Name die 19. Sure (Maryam) trägt, heißt es, sie habe eine solche Stellung erreicht, dass sie Zacharias, den Propheten ihrer Zeit, hinter sich ließ und ihn in Erstaunen versetzte.

Es gibt keinen Grund, warum nicht auch eine Frau aktiv bei der Gestaltung und dem Aufbau der Gesellschaft mitarbeiten könnte. In der echten islamischen Umma sind beide, sowohl Mann als auch Frau, engagierte vollwertige Mitglieder. Beide haben das Recht und die Aufgabe an der Bildung einer gerechten Ordnung mitzuwirken. Sie sind politisch gleichberechtigt.

" Die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen sind einer des anderen Freund. Sie gebieten das Gute und verwehren das Schlechte und verrichten das Gebet und zahlen die Zakat und gehorchen Allah und Seinem Gesandten. Sie sind es, derer Allah sich erbarmen wird. Wahrlich, Allah ist allmächtig, allweise. " ( Sure 9 , Vers 71 )

Der Islam erkennt den Grundsatz der Gleichberechtigung der Menschen im Falle unterschiedlicher Geschlechter an, aber er richtet sich gegen die Identität der Rechte und Pflichten beider. Die Unterschiede zwischen Mann und Frau sind komplementär. Sie haben mit der Unvollkommenheit des einen und der Vollkommenheit des anderen nichts zu tun.

Mann und Frau, die für ein gemeinsames Leben geschaffen worden sind, ergänzen sich durch diese Unterschiede gegenseitig. Wenn die Frau danach strebt, sich zu verändern, weiterzuentwickeln und die Attribute Gottes zu assimilieren, so bedeutet das, allen starren Normen zu verneinen und zum höchsten Ziel vorwärts zuschreiten. Es handelt sich dabei um einen immerwährenden Prozeß der Vervollkommnung, nicht um eine Zurechtstutzung in Schablonen und Stereotypen; es handelt sich aber auch nicht um eine Veränderung, die darauf hinausliefe zum das männliche und weibliche Prinzip vereinenden Einzelwesen zu werden.

Es bräuchte sonst keine Polarität in der Schöpfung zu geben.

6. 3. Islamisches Frauenideal :

Sie ist eine Frau, die philosophische Gedanken nicht von der Sorge um ihre Mitmenschen ablenken. Ihr soziales Engagement führt nicht zu dem Hang, es den Leuten in jedem Fall recht machen zu wollen, Wissen raubt ihr nicht den Sinn für den Glauben, Gottesfurcht macht aus ihr kein Frömmchen, das zu nichts zu gebrauchen ist.

Sie ist eine Frau der Poesie ebenso wie des kritischen Eintretens für Gerechtigkeit. Sie hat wahre Menschlichkeit in sich vereint. Das Leben hat sie nicht zu einem eindimensionalen gebrochenen Geschöpf gemacht und sie nicht von ihrem Selbst entfremdet.

6. 4. Sexualität und Ehe :

Sexualität ist eine natürliche Veranlagung der Menschen mit körperlichem und spirituellem Aspekt, doch wird sie im Islam durch festgelegte Eheformen reguliert. So wird gewährleistet, dass die natürliche Verbindung zwischen Mann und Frau nicht ihren gottgewollten Charakter verliert, nämlich das näherbringen der Partner zu Gott, unserem Schöpfer und Erhalter.

" Und von jedem Ding haben Wir Paare erschaffen, auf das ihr euch vielleicht doch besinnen möchtet.!" ( Sure 51, Vers 49 )

Unzählige Gegensatzpaare als wechselseitige Erscheinungsformen eines harmonischen Ganzen lassen sich finden im Tierreich, im Pflanzenreich, im Wechsel von Tag und Nacht, in Proton und Elektron, in dem das ganze Universum durchziehenden Gesetz der gegenseitigen Anziehung und Abstoßung. Jeder einzelne Teil für sich erfüllt seinen Zweck und leistet seinen Beitrag im wunderbaren Schöpfungsplan Gottes, doch erst in der gegenseitigen Ergänzung entfalten sie ihre Stärke. Gerade die Verbindung zwischen Mann und Frau in einem gottgewollten Bund verdeutlicht uns, wie schön und notwendig das Aufeinanderwirken, der Austausch beider Pole ist. Wenn sich beide erkennen und ergänzen, ist das die beste Voraussetzung für Harmonie und Frieden zwischen ihnen und allen anderen Geschöpfen, für das Einswerden mit Seiner Schöpfung und damit auch mit Ihm!.

6.5. Schutz der Familie :

Eine gesunde Gesellschaft wird in erster Linie von gesunden Familien getragen, und gerade deshalb genießt die Familie in einem islamischen System besonderen Schutz.

Das Idealbild der Ehegemeinschaft im Islam ist nicht ein egoistisches Nebeneinander der beiden Partner, sondern ein ergänzendes Mit- und Füreinander. Aus diesem Grunde sollten die Aufgaben sinnvoll geteilt und partnerschaftlich zusammengearbeitet werden. Jeder soll dem anderen so viel Freiraum zugestehen, wie dieser zur Entfaltung seiner Idealgestalt benötigt. Ein starr festgelegtes Rollenschema gibt es im Qur'an nicht; es geht jedoch klar aus ihm hervor, dass es die wertvollste Aufgabe einer Mutter ist, die Kinder nach der Geburt weiter zu versorgen. Sie hat durch ihren körperlichen Bezug zum werdenden Leben von Anfang an die innigste Beziehung, und in den ersten Lebensjahren ist sie die primäre Bezugsperson für das kleine schutzbedürftige Wesen. Vor allem in dieser Situation ist es wichtig, dass der Vater die Beschützer- und Versorgerrolle einnimmt und auf diese Weise dem Kind eine unbelastete Kindheit ermöglicht wird.

Eine muslimische Frau darf nicht ans Haus gebunden werden, aber sie soll ihre Aufgabe als erste Bezugsperson der Kinder verantwortungsvoll übernehmen, vor allem während der ersten Lebensjahre des Kindes. Das muß die gesellschaftliche Position einer Frau in keiner Weise beeinträchtigen, höchstens ihre Produktivkraft in anderen Bereichen, z.B. im Arbeitsleben. Wenn sie aber ihren Erziehungsauftrag gewissenhaft erfüllt, ihre Kinder ethisch erzieht, legt sie damit den Grundstein für eine ethischere und damit glücklichere Gesellschaft, und so gesehen erweist sich ihr Bemühen als von unschätzbarem Wert.

Nichtsdestoweniger darf das ihre eigene Vervollkommnung und Gottergebenheit nicht beeinträchtigen.

" Verschönert ist den Menschen die Liebe zu den Begehrten, Frauen und Kindern und aufgespeicherten Haufen von Gold und Silber...Das ist die Versorgung für dieses Leben; doch Allah ist es, bei dem die schönste Heimstatt ist. Sprich : Soll Ich euch von etwas Besserem Kunde geben als diesem ?. Für diejenigen, die Gott fürchten, sind Gärten bei ihrem Herrn..." ( Sure 3, Verse 14 und 15 )

 

7.Islam und Umwelt :

" Verderbnis ist gekommen über Land und Meer um dessentwillen, was die Hände der Menschen gewirkt, auf dass Er sie kosten lasse die Früchte so mancher ihrer Taten, damit sie umkehren. " (Sure 30 , Vers 41 )

Das Leben auf der Erde ist bedroht : Waldsterben, Verseuchung von Flüssen, Seen und Meeren, Vergiftung der Luft, Zerstörung der Atmosphäre, Schädigung der Erbanlagen durch nukleare Einwirkungen, Aussterben von Tier- und Pflanzenarten, Abholzung der Regenwälder usw. verlangen dringend eine Umkehr, um die bevorstehende Umweltkatastrophe abzuwenden, ehe es zu spät ist.

Die materialistischen Ideologien sind dazu nicht in der Lage ; vielmehr beuten sie ohne Rücksicht auf die natürlichen Lebensbedürfnisse von Pflanzen, Tieren und Menschen unsere Erde ungehemmt aus.

7.1. Sinn des Daseins :

" Gott gehört, was im Himmel und was auf Erden ist." heißt es im Quran. Nicht der Mensch mache sich die Erde untertan, sondern Gott ist der eigentliche Besitzer des Weltalls.

Jene Realität jenseits aller menschlichen Vorstellungen läßt alle Dinge entstehen und sich entfalten und nach einer bestimmten Zeit vergehen, wenn sie ihren Daseinszweck erfüllt haben. Prismenartig reflektieren die Erscheinungen der Natur göttliches Licht und verkünden in ihrer schier unbegrenzten Vielfalt die ewige Manifestationen Seiner Herrlichkeit.

Diese Aufgabe können sie aber nur dann erfüllen, wenn die Lebensformen in einer für sie geeigneten Umwelt und in wechselseitigen Beziehungen ihre schönsten und besten Wesenszüge zeigen können. Der Sinn des Daseins impliziert die Schaffung all jener Voraussetzungen, die eine harmonische und aufeinander abgestimmte Existenz aller Lebewesen möglich machen.

7.2. Verantwortung für die Schöpfung :

Während Pflanzen und Tiere instinktiv den auf Harmonie gerichteten göttlichen Gesetzmäßigkeiten folgen, spielt der Mensch hierbei eine widersprüchliche Rolle : Einerseits ist er vernunftbegabt und fähig, die Gesetzmäßigkeiten, die überall in der Schöpfung wirksam sind, zu begreifen und sinnvoll zum Wohle des Ganzen einzusetzen. Anderseits wird er jedoch von egoistischen Interessen, Begierden und destruktiven Impulsen getrieben, wodurch er nicht nur die Harmonie zerstört, sondern sogar seinen eignen Fortbestand gefährdet. Als " Statthalter Gottes auf Erden " (vgl. Sure 2, Vers 30 ) trägt er jedoch die Verantwortung für die Pflege und den Erhalt aller Lebensformen. Alles, was er tut oder was er unterläßt, kann für den Fortbestand der Welt von Bedeutung sein.

Die erdischen Dinge werden den Menschen für eine bestimmte Frist überlassen :

" Habt ihr nicht gesehen, dass Gott euch alles dienstbar gemacht hat, was in den Himmeln und was auf der Erde ist, und dass Er Seine Wohltaten so reichlich über euch ergossen hat, äußerlich wie innerlich?. Und doch gibt es unter den Menschen so manchen, der über Allah streitet, ohne Kenntnis und ohne Führung und ohne ein erleuchtendes Buch. " ( Sure 31 , Vers 20 )

Der Mensch soll laut Imam Ali (Friede sei mit ihm) für das Diesseits leben, als ob er für immer auf dieser Erde bliebe, und für das Jenseits, als ob er sie schon morgen verlassen müßte. Obwohl der Mensch die Verantwortung zum Erhalt der Schöpfung auf sich nahm, ist er dennoch oft ungerecht und zu unwissend, um diese Aufgabe gerecht zu werden :

" Wir boten das vollkommene Vertraunspfand den Himmeln und der Erde und den Bergen an, doch sie weigerten sich, es zu tragen. Aber der Mensch nahm es auf sich. Wahrlich, er ist sehr ungerecht und unwissend !" ( Sure 33, Vers 72 )

Seine egoistische Haltung bewirkt "Verderbnis über Land und Meer" , durch deren Folgen er oft erst zur schmerzlichen Einsicht über sein Fehlverhalten gelangt.

7.3. Die Zeichen der Natur :

Der Quran wendet sich immer wieder an die Verständigen mit der Aufforderung, ihre Umwelt zu erforschen und zu begreifen : Wachstum, Reife, Jahreszeiten, Klimaveränderung, Bewegung der Gestirne, Pflanzen, Tiere, Bodenschätze - nicht als unser Eigentum zu verstehen, sondern als "Zeichen", durch die sich unser Schöpfer mitteilt und aus denen wir Nutzen ziehen können.

" Und Er ist es, Der die Erde ausbreitete und Berge und Flüsse in ihr gründete. Und Früchte aller Art schuf Er auf ihr, ein Paar von jeder. Er läßt die Nacht den Tag bedecken. Hierin sind wahrlich Zeichen für ein nachdenkendes Volk. " (Sure 13, Vers 3)

Aber auch über die Ursachen und Folgen destruktiver Einwirkung sollen sich die Menschen bewußt werden.

" Reiset umher auf Erden und seht, wie das Ende derer war, die vor euch lebten. Die meisten von ihnen waren Götzendiener. " (Sure 30, Vers 43 )

sagt der Quran über diejenigen, deren Gesellschaften und Kulturen untergegangen sind und aus deren historischem Beispiel wir lernen sollen.

7.4. Die Götzen unserer Zeit :

Heute heißen die modernen Götzen Gewinnmaximierung, Konsum, Vergnügen, Prestige usw., die den Menschen die innere Harmonie und Eintracht mit der Schöpfung vergessen machen. Hin- und hergerissen zwischen vergänglichen Flüchtigkeiten ist der Mensch unfähig, zu seiner eigentlichen, von Gott gegebenen Identität vorzustoßen.

Er ist nicht länger zur Gesamtschau der Wirklichkeit in der Lage. Die Erkenntnis der gegenseitigen Abhängigkeit aller Geschöpfe und die daraus resultierende Verantwortung für sich und seine Umwelt bleiben ihm verbaut.

7.5. Zurück zur Einheit : Doch um seelische Ausgegelichenheit und Harmonie mit der Natur wiederherzustellen, benötigt der Mensch einen neuen ganzheitlichen Ansatz, der imstande ist, Natur und Mensch, Geist und Materie, Wirtschaft und Ökologie zu versöhnen. Darin liegt die aktuelle Botschaft der Einheit Gottes (Tauhid) begründet. Durch das Bekentnis zu jener einen Wirklichkeit könnte die Spaltung zwischen den kurzlebigen ökonomischen Interessen und den bleibenden geistigen und religiösen Werten überwunden werden.

Doch damit nicht genug: Auch die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen und die Ausbeutung der Natur durch den Menschen könnten beseitigt werden, da sie Erscheinungsformen ein- und derselben materialistischen Grundeinstellung sind.

7.6. Moral und Politik :

Eine Trennung zwischen moralischen, d.h. naturerhaltenden Werten und wirtschaftlichen, d.h. naturzerstörerischen Erwägungen müßte ausgeschlossen sein. Da die Erhaltung unserer Umwelt uns alle angeht, können wir die Verantwortung nicht einer kleinen Gruppe von Experten überlassen.

Wir müssen zu den bewährten religiösen Tugenden wie Mitgefühl mit der Kreatur, Genügsamkeit und Verzicht auf Luxus und verschwenderische Eitelkeit zurückkehren, die angesichts der heutigen Situation immer mehr an Aktualität gewinnen.

Letztendlich muß ethisch-moralischem Handeln wieder uneingeschränkt Vorrang vor einem rein Zweck- und profitorientierten ökonomischen Denken eingeräumt werden.

 
 
 
8. Dialog
 
Die Verflechtung der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Probleme unserer Zeit macht deutlich, wie sehr die Menschen aufeinander angewiesen sind. Die weltweite Krise kann nicht mehr von einem Teil der Menschheit allein gelöst werden. Ein Bewußtsein der gemeinsamen Verantwortung und eine Verständigung zwischen den Menschen ist nötiger denn je. Einen Ansatz hierzu eröffnet der interreligiöse Dialog, und zwar nicht im engeren Sinne einer Gegenüberstellung theologischer Aussagen unter Fachleuten allein, sondern als Teil einer lebendigen Beziehung von Menschen, die verschiedenen Religionen angehören und aus ihrem Glauben heraus zur Gestaltung der Gesellschaft beitragen. Denn jede Religion versteht sich letztendlich nicht einfach als privates Gedankengut, sondern fordert auf zum Zeugnis mit Wort und Tat zur Verantwortlichen Mitgestaltung des Weltgeschehens.

Während Judentum, Christentum und Islam aus derselben abrahamitischen Wurzel stammen, war in der Geschichte die Beziehung zwischen Christen und Muslimen oft von Konflikt und Rivalität geprägt. Deswegen erschweren leider bis heute gegenseitige Unkenntnis und Vorurteile ein Zusammenleben und -wirken in Respekt und Vertrauen, so dass oft ein ganz neuer Ansatz für die Begegnung miteinander gefunden werden muß.

8.1. Einander Kennenlernen :

Einander wirklich kennenlernen bedeutet, unvoreingenommen auf den anderen zuzugehen und von ihm selbst etwas zu erfahren über seinen Glauben, seine Gedankenwelt, seine Wertvorstellungen, seinen Alltag, seine Ideale und seine Probleme, und selbst offen zu sein und ihm Einblick zu geben in die eignen Überzeugung. Unvoreingenommen sein heißt, dem anderen in erster Linie als Mensch zu begegnen, nicht mit vorgefaßten Vorstellungen über "den Christen" bzw. "den Muslim". Gerade wir Muslime sind aufgefordert, unsere Mitmenschen als Geschöpfe des einen Gottes zu sehen und unsere Verschiedenheiten als göttliche Offenbarung zu betrachten

" Und unter Seinen Zeichen ist die Schöpfung der Himmel und der Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Farben. Hierin sind wahrlich Zeichen für die Wissenden." ( Sure 30, Vers 32 )

Auf diese Weise lernen wir den anderen nicht nur kennen, sondern auch, den eignen Standpunkt zu überdenken und Unterschiede zu akzeptieren. Möglicherweise werden wir auch angeregt, uns mit unserem eignen Glauben gründlicher zu beschäftigen und so zu neuen Erkenntnissen zu gelangen. Wir wollen über dieses gegenseitige Kennenlernen hinaus zu einer wirklich konstruktiven Beziehung gelangen, so dürfen wir nicht bei einer bloßen Bestandsaufnahme und desinteressierter Toleranz unserer Verschiedenheiten stehenbleiben, sondern sollten voneinander lernen und als Veraussetzung unseres Zusammenlebens und gemeinsamen Handelns das uns Verbindende suchen.

8.2. Gemeinsamkeiten finden

Der Qur'an fordert uns zum Dialog mit Angehörigen anderer Schriftreligionen auf :

"Sprich : O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem Wort, das gleich ist zwischen uns und euch: dass wir keinen anbeten außer Gott und Ihm keinen Partner zur Seite stellen und dass nicht die einen unter uns die anderen zu Herren annehmen statt Gott. Doch wenn sie sich abkehren, dann sprecht : Bezeugt, dass wir uns Gott ergeben haben." ( Sure 3 , Vers 65 )

Tatsächlich ist es nicht schwierig, zwischen den Religionen der abrahamitischen Tradition ( Judentum, Christentum, Islam ) Gemeinsamkeiten und Parallelen zu finden, stimmen doch ihre Kernaussagen weitgehend überein :

Wir glauben an denselben Gott, der uns geschaffen hat, der sich uns auf verschiedene Weise offenbart und uns führt und leitet, um uns zu vervollkommnen und Seinen Plan mit uns zu verwirklichen.

Wir haben gemeinsame historische Wurzeln und leiten unseren Glauben aus derselben prophetischen Tradition her.

Wir kennen von daher unsere besondere menschliche Verantwortung als "Statthalter Gottes auf Erden".

Wir haben dieselben ethischen Ideale und Wertvorstellungen und bemühen uns, diese zu verwirklichen. Dazu gehört unter anderem die Verwirklichung von Gerechtigkeit, Harmonie in der Menschheit und in der übrigen Schöpfung und Liebe als Vervollkommnung all dessen.

Wir sind uns bewußt, dass wir schließlich vor Gott Rechenschaft über unser Leben ablegen müssen, und hoffen auf Seine Barmherzigkeit.

All das faßt der Qur'an in Sure 42, Verse 14-16 zusammen, wo der Prophet (s.a.w.) angesprochen wird :

" Er verordnete für euch eine Glaubenslehre, die Er Noah anbefahl und die Wir dir offenbarten und die Wir Abraham und Moses und Jesus auf die Seele banden : nämlich bleibt standhaft im Gehorsam und seid nicht gespalten darin. Hart ist für die Heiden das, wozu du sie aufrufst.

Gott wählt dazu aus, wen Er will, und leitet dazu den, der sich bekehrt. Und sie zerfielen erst dann in Spaltung, nachdem das Wissen zu ihnen gekommen war, aus selbstsüchtigem Neid untereinander. Und wäre nicht bereits ein Wort von deinem Herrn ergangen für eine bestimmte Frist - gewiß wäre zwischen ihnen entschieden worden. Wahrlich jene, denen nach ihnen das Buch zum Erbe gegeben ward, sind in beunruhigendem Zweifel darüber. Zu diesem also rufe sie auf.

Und bleibe standhaft, wie dir geheißen ward, und folge ihren bösen Gelüsten nicht, sondern sprich : "ich glaube an das, was Gott an Schrift herabgesandt hat, und mir ist befohlen, gerecht zwischen euch zu richten. Gott ist unser Herr und euer Herr. Für uns unsere Werke und für euch euere Werke! Kein Streit ist zwischen uns und euch. Gott wird uns zusammenbringen, und zu ihm ist die Heimkehr. "

Über das Verhältnis der Religionen der Abrahamitischen Tradition heißt es in Sure 5, Verse 45-49 :

" Wir hatten die Thora hinabgesandt, in der Führung und Licht war. Damit haben die Propheten, die immer gehorsam waren, den Juden Recht gesprochen, und so auch die Wissenden und Gelehrten; denn ihnen wurde aufgetragen, das Buch Gottes zu bewahren, und sie waren seine Hüter. Darum fürchtet nicht die Menschen, sondern fürchtet Mich; und gebt nicht Meine Zeichen hin um geringen Preis. Wer nicht nach dem richtet, was Gott hinabgesandt hat - das sind die Ungläubigen.... Wir ließen Jesus, den Sohn der Maria, in ihren Spuren folgen, zur Erfüllung dessen, was vor ihm in der Thora war; und Wir gaben ihm das Evangelium, worin Führung und Licht war, zur Erfüllung dessen, was schon vor ihm in der Thora war, eine Führung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen. Es soll das Volk des Evangelium richten nach dem, was Gott darin offenbart hat; wer nicht nach dem richtet, was Gott hinabgesandt hat - das sind die Ungerechten. Wir haben dir das Buch hinabgesandt mit der Wahrheit, als Erfüllung dessen, was schon in dem Buche war, und als Wächter darüber. Richte darum zwischen ihnen nach dem, was Gott hinabgesandt hat, und folge nicht ihren bösen Neigungen gegen die Wahrheit, die zu die gekommen ist. Einem jeden von euch haben wir eine klare Satzung und einen deutlichen Weg vorgeschrieben. Und hätte Gott gewollt, Er hätte euch alle zu einer einzigen Gemeinde gemacht, doch er wünscht euch auf die Probe zu stellen durch das, was Er euch gegeben hat. Wetteifert darum miteinander in guten Werken. Zu Gott ist euer aller Heimkehr; dann wird Er euch aufklären über das, worüber ihr uneinig ward. "

Weder für Christen noch für Muslime erschöpft sich Glaube im Fürwahrhalten metaphysischer und theologischer Aussagen, sondern fordert auf, die Glaubenswahrheiten zu erforschen und zu erfahren. Die Gläubigen sollen Zeugnis in Wort und Tat ablegen und somit die Ideale und Werte verwirklichen. Sobald wir also auf diese Weise eine gemeinsame Basis gefunden haben, können wir die uns gestellten Aufgaben in Angriff nehmen und durch konstruktive Zusammenarbeit nicht nur theoretische Lösungsmöglichkeiten sondern auch praktische Vorgehensweisen finden.

8.3. Gemeinsam handeln :

Gott läßt unser Streben nach dem Guten nicht verlorengehen :

" Wahrlich, die Gläubigen und die Juden und die Christen und die Sabäer - wer immer wahrhaft an Gott glaubt und an den jüngsten Tag und gute Werke tut- sie sollen ihren Lohn empfangen von ihrem Herrn und keine Furcht soll über sie kommen noch sollen sie trauern. " ( Sure 2 , Vers 63 )

Es kann hier selbstverständlich nicht darum gehen, die Religionen miteinander zu vermischen oder Unterschiede zu verneinen. Grade an so zentralen Punkten wie z.B. der Wirklichkeit Jesu und Muhammads ( Friede sei mit ihnen beiden ) wird man den Dialogpartner in seiner Eigenart akzeptieren können. Der Qur'an gibt uns Hinweise für unser Verhalten in solchen Kontroversen :

" Und debattiert mit dem Volk der Schrift nicht anders als auf die beste Art, mit Ausnahme derer, die ungerecht sind. Und sprecht : Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt wurde und was zu euch herabgesandt wurde, und unser Gott und euer Gott ist einer, und Ihm sind wir ergeben. " (Sure 29- Vers 47 )

 

9. Menschenrechte im Islam :
 

"Wenn einer jemand tötet oder Unheil auf Erden gestiftet hat, soll es so sein, als ob er die Menschen alle getötet hätte. Und wenn einer jemanden am Leben erhält, soll es so sein, als ob er die Menschen alle am Leben erhalten hätte." (Qur'an 5,32)

Gott hat dem Menschen mit dem Qur'an einen dauerhaften gesetzlichen und moralischen Rahmen gegeben, innerhalb dessen er inneren und äußeren Frieden finden kann. Die Offenbarung des Qur'an ist als das letzte Glied eines heilsgeschichtlichen Prozesses zu verstehen, einem Prozess, der dem Menschen immer wieder die Gebote Gottes nahebringen wollte.

Nach islamischer Rechtsauffassung wird dem Gemeinwohl größere Bedeutung als dem individuellen Interesse geschenkt. Jedoch soll die Freiheit und Würde des einzelnen bewahrt bleiben. Die quranischen Prinzipien der Gerechtigkeit, der Aufrichtigkeit und der menschlichen Solidarität schaffen Pflichten für jedes einzelne Mitglied der Gemeinschaft.

Die Freiheit im Dienst gegenüber Gott bestimmt den Wert des Individuums. Je absoluter Gott ist, desto freier ist der einzelne Mensch den anderen gegenüber. Der Mensch ist nicht durch Erbsünde befleckt und besitzt die Fähigkeit, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Mit dem Hinweis auf das Jüngste Gericht definiert der Qur'an eine bestimmte Konzeption der menschlichen Natur. Zunächst wird der Mensch in seiner Eigenschaft als Gläubiger geachtet. Da der Quran jedoch der gesamten Menschheit offenbart worden ist, schließt der Islam niemanden aus:

"O ihr Menschen, Wir haben euch von Mann und Frau geschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander erkennen möchtet. Wahrlich, der Angesehenste vor Gott ist der, der unter euch der Gottesfürchtigste ist. Wahrlich, Allah ist allwissend, allkundig." (Quran 49,13)

In seiner Abschiedsansprache weist Prophet Mohammad (Friede sei mit ihm und seine Familie ) die Menschen auf ihren gemeinsamen Ursprung und ihr gemeinsames Ziel hin:

"O ihr Menschen, euer Gott ist eins, ihr seid alle von Adam, und Adam ist aus Staub geschaffen. Der beste von euch vor Allah ist der Rechtschaffenste."

9.1. Die Menschenwürde :

Die Achtung der Persönlichkeit des anderen ist ausdrücklich festgehalten. Der Quran erkennt die Menschenwürde in dem Sinne an, als Gott den Menschen "vor vielen von denen, die wir sonst noch erschaffen haben" ausgezeichnet hat. Der Mensch ist achtbar und würdig, weil er Verantwortung trägt. Diese Verantwortung beinhaltet die Freiheit der Entscheidung. Hat der Mensch auch nur Pflichten gegenüber seinen Mitmenschen gleichwohl begrenzt durch die Freiheit der anderen.

Das Prinzip der Gleichheit bestimmt die Vorstellung vom Menschen und ist die Basis, auf der das Gesellschaftssystem ruht. Auf der metaphysischen Ebene sind die Menschen grundsätzlich gleich, und zwar durch ein und dasselbe Dienen in und für Gott. Auf der Ebene der formalen Gleichheit gewährt das rechtliche Gleichheitskonzept für alle gleiche Vorschriften und Sanktionen.

Vor dem Gesetz sind Mann und Frau gleich. Dies kommt am besten in folgendem Ausspruch Prophet Muhammads zum Ausdruck: "O mein Volk, eure Frauen haben wirklich ein Recht über euch und ihr habt ein Recht über sie."

Nach islamischen Recht kann die Frau ihr Vermögen unabhängig von ihrem Mann verwalten. Der Ehemann darf von ihrem Vermögen nichts nehmen, es sein denn mit ihrer Zustimmung. Der Islam macht es der Frau nicht einmal zur Pflicht, die Familie mitzuernähren; dies ist allein die Pflicht des Mannes. Nur dann werden zwischen Mann und Frau Unterschiede gemacht, wenn die Natur der beiden Geschlechter dies erfordert oder es zum Vorteil der Familie oder der Frau selbst ist, wie z.B. bei der Erbschaft.

9.2. Das Gesetz ist göttlichen Ursprungs.

Ein gesetzgebendes Organ ist nicht notwendig. Das islamische Recht soll durch den Konsens der Gemeinschaft verwirklicht werden. Prophet Mohammad (s.a.) pflegte vor jeder wichtigen Entscheidung seine Gefährten zu befragen. Das Beratungsverfahren (Shura) bildet auch die Grundlage der Beziehungen zwischen Regierung und Volk:

"Was euch gegeben ist, es ist nur ein vorübergehender Genuß für dieses Leben, und das, was bei Gott ist, ist besser und bleibender für jene, die glauben und auf ihren Herrn vertrauen; und die schweren Sünden und Schändlichkeiten meiden und wenn sie zornig sind vergeben; und die auf ihren Herrn hören und das Gebet verrichten und ihre Angelegenheiten in gegenseitiger Beratung regeln, und die spenden von dem, was Wir ihnen gegeben haben." (Quran 42, 37-39)

In Übereinstimmung mit diesem Prinzip steht dem Volk auch das Recht zu, seine Regierung zu wählen oder aus dem Amt zu entfernen. Der Quran verurteilt jegliche Trennung der sozialen Schichtung als wider die menschliche Natur, da die Menschen gemäß der Überlieferung "ebenbürtig wie die Zähne eines Kammes" sind.

Die materielle Gleichheit gebietet dem Gläubigen, sich nicht von seinen Bedürnissen versklaven zu lassen. Der Quran erkennt Vermögensunterschiede an, betont aber, daß das Eigentum aller Güter letztendlich Gott allein gehört. Der Mensch hat nur Nutzungsrecht auf Erden. Als einzige Bedingung für das Privateigentum gilt, daß es auf ehrliche Weise erworben sein muß. Maßlosigkeit und Verschwendung müssen unter allen Umständen vermieden werden.

"Habt ihr nicht gesehen, daß Allah euch alles dienstbar gemacht hat, was in den Himmeln und was auf der Erde ist und Seine Wohltaten reichlich über euch ergossen hat, äußerlich wie innerlich?" (Quran, 31-21)

9.3.Chanchengleichheit :

Alle Schätze der Natur sollen allen Menschen zur Verfügung stehen. Denn sie sind Wohltaten, die Gott der ganzen Menschheit zu ihrem Wohl verliehen hat. Um die Ausbeutung der Gemeinschaft zu verhindern, verbietet das islamische Gesetz Monopole, Wucher, die Anwendung von Zwang beim Abschluß von Vorträgen und die Manipulation durch irreführende Werbung. Den weniger begünstigten Mitglieder der Gesellschaft soll materiell geholfen werden; diese Pflicht obliegt nicht nur der Gemeinschaft, sondern besonders den Reichen der Gesellschaft.

Der Islam schützt die Arbeit und den Arbeiter und verpflichtet die Muslime nicht nur zur gerechten, sondern auch zur großzügigen Behandlung des Arbeiters. Prophet Muhammad (s.a.) mahnte alle Arbeitgeber, dem Arbeiter seinen Lohn auszuzahlen, noch bevor sein Schweiß auf der Stirn getrocknet ist.

"Kein Volk wird Erfolg haben, wenn in ihm die Rechte der Schwachen vor den Starken nicht gewährt werden", lautet einer seiner Aussprüche. Der Bedürftige und Hungernde hat das Recht die Mahlzeit des Wohlgenährten zu teilen, wenn ihm in seiner gesellschaftlichen Ordnung ohne sein Verschulden keine Möglichkeiten zur Bestreitung seines Unterhalts eingeräumt werden. Der Muslim kann sich der Nahrung auf dem Tisch eines Gläubigen bedienen, der genug zu essen hat, ob dieser nun wolle oder nicht.

Im Falle einer möglichen Weigerung hat der Hungrige sogar das Recht, notfalls Gewalt anzuwenden.

"Es soll keinen Zwang im Glauben geben." (Quran 2. 256)

Der Islam zwingt niemanden, seinen Glauben zu verlassen und zum Islam überzutreten. Alle Muslime werden angehalten, mit Andersgläubigen einen Dialog frei von missionarischem Eifer zu führen:

"Lade ein zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung; und diskutiere mit ihnen auf die beste Art. Dann wahrlich, dein Herr weiß am besten, wer irregeht und kennt am besten diejenigen, die rechtgeleitet sind!" (Quran 16, 125)

9.4. Gleichberechtigung :

Nicht nur unter den Muslimen wird Gleichberechtigung vor dem Gesetz gefordert, sondern auch zwischen Muslimen und Nichtmuslimen. Die Regierung hat die Rechte der Minderheiten gleichermaßen zu verteidigen. In diesem Sinne sind auch religiöse Riten und Feiertage Andersgläubiger zu respektieren.

Von Prophet Muhammad stammt der Ausspruch: "Wer einem nichtmulimischen Bürger Schaden zufügt, der schadet gleichzeitig mir."

Die Staatsgewalt wird nur als anvertrautes Gut in menschlicher Hand betrachtet und liegt keinem Erbschaftsrecht zugrunde. Der Appell des Quran an die Menschen "Unterdrücke nicht und laß dich nicht unterdrücken!" verpflichtet jeden einzelnen, gegen jede Art von Willkür anzugehen, auch wenn das die Herausforderung der höchsten Staatsautorität einschließt.

 

Der Islam
 

Die islamische Lebensweise

Der Islam versorgt alle Menschen mit deutlichen Richtlinien für alle Lebenslagen. Die Anleitungen, die er gibt, sind umfassend und enthalten die sozialen, wirtschaftlichen, politischen, moralischen und geistigen Aspekte des Lebens. Der Koran erinnert den Menschen an den Sinn seines Lebens auf Erden, an seine Pflichten gegenüber sich selbst, seinen Verwandten, seiner Gemeinde, seinen Mitmenschen und seinem Schöpfer. Dem Menschen wurden grundlegende Anleitungen für ein zweckmäßiges Leben gegeben. Dann wurde er der Herausforderung der menschlichen Existenz ausgesetzt, und daß er diese hohen Ideale in die Praxis umsetzen würde. Der Islam betrachtet den Menschen als eine gesunde und vollständige Einheit und nicht als eine Sammlung aus getrennten und miteinander konkurrierenden Teilen. Der geistlich - religiöse und der weltliche Teil sind keine getrennten Teile des Menschen. Sie sind vielmehr in seiner Natur als Mensch vereint.

Geschichtliche Perspektive.

Muhammad(Gottes Segen und Friede seien mit ihm) wurde im Jahre 570(n.Chr) in der Stadt Makkah in Arabien geboren. Er Stammte aus einer vornehmen arabischen Familie. Die erste Offenbarung empfing er im Alter von 40 Jahren. Er lud in Makkah 13 Jahre lang zum Islam ein. In dieser Zeit waren er und seine Gefährten, die den Islam annahmen, schweren Mißhandlungen und Verfolgungen ausgesetzt, so daß ihm Gott befahl, nach Madinah (einer anderen Stadt in Arabien) auszuwandern. Während der kurzen Zeitspanne von 23 Jahren wurde seine Botschaft vollendet. Er starb in Madinah im Alter von 63 Jahren und wurde dort beigesetzt. Er führte ein vollkommenes Leben und setzte ein Beispiel für alle Menschen. Seine Biographie veranschaulicht die Lehren des Qur'an und ihre Verwirklichung in der Praxis.

Anziehungskraft des Islam.

Der Islam in seiner deutlichen und direkten Weise, die Wahrheit auszudrücken, übt eine starke Anziehungskraft auf jeden aus, der Wissen sucht. Er ist die Lösung für alle Probleme des Lebens, in dessen Phasen Gott, Der Allmächtige Schöpfer und Barmherzige Erhalter gepriesen wird. Die muslimische Bevölkerung auf einen Blick(geschätzt)

Der Islam, der Muhammad(a.s.s.) offenbart wurde, ist die Fortsetzung und der Höhepunkt aller vorher offenbarten Religionen, und daher gilt er für alle Zeiten und für alle Menschen. Die Stellung des Islam ist mit offenkundigen Tatsachen gestützt: Erstens: (Außer dem Koran) gibt es kein anderes offenbartes Buch, das noch in derselben Form und dem selben Inhalt vorhanden ist, wie es offenbart wurde. Zweitens: Keine andere Religion besitzt irgendeinen überzeugenden Anspruch darauf, Rechtleitung für alle Lebenslagen der Menschen für alle Zeiten zu geben. Der Islam aber ist an die Menschheit als Ganzes gerichtet und bietet grundlegende Rechtleitung an, hinsichtlich aller Probleme der Menschheit. Darüber hinaus bewährte er sich vierzehnhundert Jahre und besitzt die Möglichkeiten, eine ideale Gesellschaft zu Gründen, wie er dies unter Führung des letzten und anschließenden Propheten Muhammad (a.s.s.) vollbrachte.

Es ist ein Wunder, daß Muhammad (a.s.s.) sogar seine zähesten Feinde zu Gemeinschaft des Islam gewinnen konnte, ohne angemessene materielle Hilfsmittel. Götzenanbeter, die dem Weg ihrer Vorfahren blind folgten, oder Förderer von Stammesfehden, die menschliche Würde und menschlicher Leben mißachteten,... sind unter der Rechtleitung des Islam und seinem Propheten die höchst disziplinierte Nation geworden. Der Islam öffnete ihnen Ausblicke auf geistige Höhepunkte und auf die menschliche Würde durch das einzige Kriterium für Vorzug und Ehre. Der Islam gestaltete ihr soziales, kulturelles, moralisches und wirtschaftliches Leben durch Grundregeln und Prinzipien, die mit der menschlichen Natur übereinstimmen und daher für alle Zeiten anwendbar sind, da die Natur sich nicht ändert.

Es ist bedauerlich, daß das Abendland, statt zu versuchen, den einzigartigen Erfolg des Islam während seiner früheren Zeit zu verstehen, ihn als eine Konkurrenzreligion betrachtet. Während der Jahrhunderte der Kreuzzüge bekam diese Tendenz viel Kraft und Antrieb, und eine Riesige Menge Literatur wurde verfaßt, um das Bild de Islam zu trüben. Der Islam hat aber begonnen, seine Wahrheiten den modernen Gelehrten zu öffnen. Jene Gelehrte, deren deutlichen und objektiven Beobachtungen über den Islam all den Angriffen, die auf ihn von den sogenannten "unbefangenen Orientalisten" anzielten, Lügen strafen.

Wir liefern an dieser Stelle einige Beobachtungen über den Islam, die von anerkannten Gelehrten der Neuzeit stammen. Die Wahrheit braucht keine Anwälte, die sie vertreten. Aber die anhaltende heimtückische Propaganda gegen den Islam schaffte ein großes Durcheinander, sogar in den Meinungen von freien objektiven Denkern. Wir hoffen, daß die folgenden Betrachtungen zur Gründung einer objektiven Beurteilung des Islam beitragen. Er (der Islam) ersetzt Mönchhaftigkeit durch Mannhaftigkeit. Er gibt den Sklaven Hoffnung, der Menschheit Brüderlichkeit und Erkennen der grundlegenden Eigenschaften der menschlichen Natur.

(Cannon Taylor, Vortrag gehalten im Kirchentag in Wlaverhamton am 7.Oktober 1887, zitiert aus T.W. Arnol The Preaching of Islam, s. 71-72.)

Der Gerechtigkeitssinn ist einer der bewundernswertesten Ideale des Islam, wenn ich im Koran lese, finde ich jene Kraftgeladenen Prinzipien des Lebens, nicht geheimnisvolle, sondern praktische Sittenlehre für die tägliche Führung des Lebens, passend für die ganze Welt.

(Sarojini Naidu, Vorlesung über "Die Ideale des islam". In Speeches and Writings of Sarojini Naidu, Madras, 1918, s.167.)

Die Geschichte macht es jedoch deutlich, daß die Legende von den fanatischen Muslimen, die durch die Welt stürmen und dem Islam die Charakterzüge des Schwertes über eroberte Rassen aufzwingen, die launische und absurdeste Erfindung ist, die die Geschichtsschreiber je weiterverbreitet haben.

(De lacy O'Leary, Islam at the Crossroads, London, 1923, s.8.)

Der Islam aber hat immer noch dem Anliegen der Menschheit einen weiteren Dienst zu leisten. Er liegt schließlich näher zum aüßersten Osten als Europa und besitzt eine prächtige Tradition der Verständigung und der Zusammenarbeit zwischen den Rassen. Keine andere Gesellschaft besitzt solche authentischen Erfolgsakten über die Vereinigung so vieler und so verschiedener Menschenrassen, in Gleichberechtigung hinsichtlich der sozial-politischen Stellung und Entfaltungsmöglichkeiten...Der Islam besitzt immer noch die Kraft, scheinbar unvereinbare Rassen und Traditionselemente miteinander in Einklang zu bringen. Wenn jemals der Gegensatz der großen Gesellschaften des Orients und des Westens durch Zusammenarbeit zu ersetzen sein sollte, ist die Tradition des Islam eine unentbehrliche Bedingung. In seinen Händen liegt in hohem Maße die Lösung der Probleme, die Europa in seiner Beziehung zum Orient bewegen. Würden sie sich vereinigen, so wird die Hoffnung auf einen friedlichen Ausgang unermeßlich steigen. Aber wenn Europa durch die Ablehnung der Zusammenarbeit mit dem Islam, ihn in Arme ihrer Rivealen wirft, kann der Ausgang nur unheilvoll für beide sein.

(H.A.R.Gibb, Whither Islam, London 1932, s.397)

Ich habe die Religion von Muhammad immer wegen seiner erstaunlichen Lebenskraft hochgeschätzt. Sie ist die einzige Religion, die mir scheint, jene Anpassungsfähigkeit zur Phasenänderung des Lebens zu besitzen, die jedem Zeitalter zusagt. Ich habe ihn studiert - den bewundernswerten Mann und meiner Meinung nach, keineswegs ein antichrist, muß er der Erlöser der Menschheit genannt werden. Ich glaube, wenn ein Mann wie er die unumschränkte Macht über die moderne Welt übernehmen würde, würde er bei der Lösung ihrer Probleme Erfolg haben, in einer Art, die ihr (der Welt) den sehr dringend gebrauchten Frieden und Glück bringt: Ich habe für den Glauben von Muhammad prophezeit, daß er beginnt, annehmbar für das Europa von heute zu sein.

(G.B. Shaw, The Genuine Islam, Vol.I No 81936.)

Die Auslöschung des Rassenbewußtseins, wie unter Muslimen, ist eine der hervorragenden Leistungen des Islam, und in der heutigen Welt gibt es zufällig eine dringende Notwendigkeit für die Verbreiterung dieser islamischen Tugend.

Der Anfang des Islam ist vielleicht das erstaunlichste Ereignis in der Geschichte der Menschheit. In einem unbeachteten Land und unter einem unbeachteten Volk entstanden, breitete sich der Islam innerhalb eines Jahrhunderts über die Hälfte der Erde aus, große Reiche vernichtend, seit langem bestehende Religionen umstürzend, die Seelen der Rassen umformend, und sich eine ganz neue Welt aufbauend - die Welt des Islam. Je genauer wir diese Entwicklung untersuchen, desto mehr ungewöhnlich erscheint sie. Die anderen großen Religionen setzten sich mit schmerzlicher Anstrengung langsam durch, und am Ende triumphieren sie mit Hilfe mächtiger, zum neuen Glauben bekehrter Monarchen. Das Christentum hatte seinen Konstantin, der Buddhismus seinen Asoka und der Zoroastrismis seinen Kyrus, jeder verlieh seinem ausgewählten Kult die mächtige Gewalt weltlicher Autorität. Nicht so der Islam. Er enstand in einem Wüstenland, das mit einer in der Geschichte der Menschheit vorher unbekannten nomadischen Rasse dünn besiedelt war. DerIslam machte sich auf ein großes Abenteuer auf; mit der geringsten menschlichen Unterstützung und gegen die schwerste materielle Übermacht. Trotzdem triumphierte der Islam mit scheinbar übernatürlicher Leichtigkeit, ein paar Generationen brachten den Feurigen Halbmond -siegreich getragen - von der Wüste Zentralasiens bis zur Wüste Zentralafrikas.

(A.M.L.Stoddart, zitiert in: Islam-The Religion of All Prophets, Begum Bawani Waqf, Karachi, Pakistan, s. 56)

Der Islam ist, hauptsächlich und im weitesten Sinne des Wortes (sowohl etymologisch wie auch historisch) eine rationalistische Religion. Rationalismus ist ein System, das religiösen Glauben auf vernunftsgebundenen Prinzipien gründet... Es ist nicht zu leugnen, daß viele Lehrmeinungen und Theologiesysteme und auch viele abergläubische Vorstellungen und Gewohnheiten von Heiligenanbetung bis hin zum Benutzen von Rosenkränzen und Amuletten in den Stamm des islamischen Glaubens gepfropft wurden. Aber im Gegensatz zur reichen Entwicklung der Lehren des Propheten im weitesten Sinne des Wortes, behielt der Koran unverändert seinen Platz als der grundsätzliche Ausgangspunkt, und der Glaubenssatz der Einheit Gottes wurde darin stets mit Herrlichkeit, Erhabenheit, unveränderlicher Klarheit, und mit einer Tonart der sicheren Überzeugung verkündet, die außerhalb der Grenzen des Islam schwer übertreffbar zu finden ist. Dieses Festhalten an dem grundsätzlichen Glaubenssatz der Religion, die natürliche Einfachheit der Formel, mit der er ausgedrückt ist, die Stichhaftigkeit, die er erlangt von der inbrünstigen Überzeugung der Missionare, die ihn verbreiten, sind so viele Gründe die den Erfolg der mohammedanischen (islamischen!) Bemühungen beweisen. Von solch einem genauen Glauben, frei von all den theologischen Verwicklungen, und deshalb zugänglich für den gewöhnlichen Verstand, könnte erwartet werden, daß er seine imponierende Kraft Besitzer, um sich in den Gewissen der Menschen durchzusetzen, - und er besitzt sie tatsächlich.

(Edward Montet, "La Propagande Chretienne et ses Adversaries Musulmans", Paris 1890. Zitiert von T.W. Arnold in The Preaching of Islam, London 1913, s. 413-414.)

Ich bin kein Muslim im üblichen Sinne, dennoch hoffe ich, daß ich ein "Muslim" bin, als jemand, der sich Gott ergibt, aber ich glaube, daß im Koran und in anderen Erklärungen der islamischen Erscheinung unerschöpfliche Vorräte an göttlicher Wahrheit enthalten sind, von denen andere abendländische (Menschen) noch viel zu lernen haben! Und der Islam ist zweifellos ein starker Bewerber für das Liefern des grundlegenden Gerüstes der einen Religion der Zukunft.

(W.Montgomery Watt, Islam and Christianity Today, London 1983, s. IX.)

Sichtweise des Islams

Die Muslime von heute haben eine Menge Probleme als Jugendlicher aus einem sogenannten islamischen Land, vielleicht als Jugendlicher der zweiten Generation der Migranten aus der Türkei, aus arabischen Ländern oder sonst woher. Du hast sicher auch welche.

Manchmal denkt man, man sieht vor lauter Problemen keinen Ausweg, und wenn es einmal soweit gekommen ist, so kann es sein, daß man mit etwas Nachdenken feststellt, daß alle diese Probleme eine Ursache haben könnten. Falls Du neugierig bist, laden wir Dich ein, mit uns nach dieser Ursache zu suchen, die die Quelle unseres Unbehagens ist.

Heute belegen sich Menschen oft mit einem Titel, sie sagen: "Ich bin ein Humanist, Pazifist, Christ, Demokrat, Liberaler Muslim usw. ohne zu wissen, was das eigentlich für ein Phänomen ist, mit dem sie sich identifizieren. Einer dieser Aussagen ist oft: "Ja, ich bin Muslim, der Islam ist meine Religion" ; aber was ist das eigentlich? Das wissen wir oft nicht. Es ist unsere Absicht, mit Euch darüber zu reden, aber verwechselt uns bitte nicht mit einem religiösen Verein, der Leute indoktrinieren möchte.

Als unser Prophet Muhammad (s.a.w.) die Botschaft Allahs an die Menschen richtete, sagte er: "Prüft es, und wenn es euch gefällt, nehmt es an, sonst laßt es." D.h. man kann nur annehmen, was man geprüft hat, und man kann nur dann etwas annehmen, wenn einem etwas fehlt.

In ein volles Glas kann man bekanntlich nichts mehr einfüllen, und für diese jungen Leute schreiben wir. Und was noch wichtig ist: Es ist eine Empfehlung des Propheten und des Islams, sich mit den Leuten zu unterhalten, die kein Entgegenkommen und keine materielle Entschädigung haben wollen.

Im übrigen steht im Koran: Es gibt kein Zwang auf diesem islamischen Weg. Die Freiheit des Menschen sich für oder gegen eine Sache zu entscheiden, ist eine seiner höchsten Güter, die ihm von seinem Schöpfer verliehen wurde. Wie sollte er sonst je verantwortlich sein?

Heute also für diejenigen, die zuhören können und wollen, unser Angebot: Iqra - "Lies, lies im Namen deines Herrn"

Die Sichtweise des Islams, Teil III

Vielleicht habt ihr schon unseren früheren Schriften "Der Islam - was ist das eigentlich", "Der Koran" und "Der Muslim" gelesen und wenn nicht, so könnt ihr sie gerne bei uns anfordern.

Heute wollen wir uns einem Teilaspekt der Sichtweise des Islams zuwenden, nämlich, einem ernsten Problem: der Entislamisierung der muslimischen Jugendlichen.

Der muslimisches Jugendliche wird in einem für ihn fremden, nicht islamischen Denksystem erzogen und hat daher mehr und mehr den Eindruck, daß es sich beim Islam um eine private religiöse Auffassung von Gott, Mensch und Lebenssinn handele, die mit der praktischen, alltäglichen Lebenssituation, in der er sich befindet, nichts zu tun habe.

Die Frage ist, ob er sich angesichts der realen Lebenssituation überhaupt anders verhalten kann, anders denken kann. Kommt er aus einem islamischen Land, so sieht er, daß dort die Lebenssituation seiner ehemaligen Landsleute noch viel desolater ist als seine eigene. Wo ist also das lebendige Beispiel eines vorgelebten, blühenden Islams? Alles kalter Kaffee, denkt sich unser Jugendlicher und wendet sich wieder seinen vorzüglichen, westlichen Disziplinen, Werten und Bildungschancen zu.

Die geistige Wahrnehmung hängt aber von der Motivation ab, mit der man daran geht, sich umfassende Kenntnisse zu erwerben. Nur wenn man von einer erfüllenden Idee getrieben ist, kann man dies erreichen. Nun sollte aber das Anliegen des muslimisches Jugendlichen der Islam sein. Allah selbst hat die Gemeinschaft der Gottergebenen als die Leute des Wissens und die nach Wissen Strebenden bezeichnet. Daher müssen unseres Erachtens die beiden Systeme, nämlich das islamische und das zeitgenössische Wissen miteinander vereinigt bzw. integriert werden. Der vorhandene Dualismus, wonach sich Wissenschaft und Bildung einerseits und Glaube an die Offenbarung andererseits, widersprechen, muß verschwinden.

Es ist wahr, daß die herkömmlichen islamischen Lehrbücher oft mangelhaft sind, daß das in ihnen enthaltene traditionelle Wissen zu mal für unsere heutige Situation nicht ausreicht und nicht reflektiert ist. Der Idschtihad, nämlich die Anstrengung des einzelnen Gläubigen, das islamische Denken auf die jeweilige Zeit zu übertragen bzw. in seiner Zeit sichtbar zu machen, wird nicht nur verschwiegen, sondern geradezu bekämpft.

Das einzige, was nicht nur die muslimisches Jugend, sondern die gesamte Welt aus der Bildungsmisere und aus den riesigen Problemen und Katastrophen, in die die sie geraten ist, wird heraus helfen können, wird das Studium der Zivilisationen sein, d.h. für den muslimischen Jugendlichen, ob Schüler oder Student, daß er neben seinem jeweiligen Fach bzw. Unterricht die islamische Zivilisation studieren und kennenlernen muß (die westliche bekommt er bereits in vorzüglicher Weise auf seiner Schule oder Uni vermittelt). Ohne das Wissen über die Zivilisation ist es nicht möglich zivilisiert zu sein.

Das Studium der Zivilisation ist der einzige Weg für die Entwicklung seiner Identität. Wie kann man sich selbst kennen, wenn man seine Vorfahren nicht kennt, seine Vergangenheit, seine Wurzeln, wenn der Geist, der sie antreibt ihre Errungenschaften in der Geistes- und Naturwissenschaften, im politischen und wirtschaftlichen

Leben, in ihrer sozialen Organisation und in ihren ästhetischen und künstlerischen Erfahrungen, wenn man die nicht kennt, wenn die Tragödien und Qualen, der Ruhm und die Siege, die Errungenschaften und Niederlagen, unsere Vorfahren nicht gekannt werden, wenn wir nicht durch ihre Hoffnungen angeregt werden, wie können wir denn eine eigene Identität haben? Vielleicht haben wir uns aus der Qual heraus nicht zu wissen, wer wir sind, entschlossen "modern zu sein" aber man hat uns davon ferngehalten, uns mit dieser Moderne wirklich identifizieren zu können, und so sind

wir ein Geist im Niemandsland. Um heute wirklich "modern" zu sein, muß man zivilisatorisches Bewußtsein haben, man muß sich der Natur seines Erbes, des Geistes, seines Unterschiedes zu den anderen zivilisatorischen Strömungen der Geschichte und seiner eigenen Richtung für die Zukunft bewußt sein. Ohne dieses Wissen kann man nicht sich selber sein und kann auch nicht in der Welt überleben; nur dann kann man in freiem Selbstbewußtsein Austausch mit der Welt pflegen. Es ist nicht unmöglich eine andere Weltanschauung zu übernehmen, wenn dies die Weltanschauung der Wahrheit und des geraden richtigen Weges ist, so ist alles o.k. Wenn diese Weltanschauung Nutzen für alle fördert, Schaden abwendet und den Menschen auf das Ziel ausrichtet, für welches er von seinem Schöpfer her vorgesehen ist, dann ... auf zu diesen neuen Ufern..., aber das tut die "Moderne" nicht. Sie bekehrt nicht zu

einer umfassenden globalen menschlichen Anschauung, sondern sie neutralisiert und macht eine Marionette aus dem Muslim.

Das Wissen und die Zivilisation des Islams ist nicht nur für ein paar Fachexperte bestimmt, sie wird nicht von diesen alleine vertreten und gebraucht, sie ist für alle Menschen bestimmt und sie ist so konstruiert, daß sie den Menschen immer erheben will.

Der Islam verabscheut die Teilung des Menschen in einem "Geistlichen" und in einem "Laien". Er besteht darauf, daß alle Menschen die Wahrheit kennen, und wahrnehmen. Wir müssen nicht 20 Jahre Exegese studieren, um uns dem Buch des Islam, dem Koran nähern zu können. Damit wollen wir kein keineswegs Leistungen der großen islamischen Vorfahren abwerten, um Gottes Willen, wo wären wir ohne diese Leistungen.

Wir wollen jedoch vermeiden, daß der einzelne glaubt, nur noch mit einem gelehrten Gutachter sein islamisches Leben meistern zu können.

Der Islam ist keine Weltanschauung, die sich damit zufrieden gibt, göttliche Angelegenheiten zu lenken und den Rest der Organisation menschlichen Zusammenlebens einer Klicke von Leuten zu überlassen, die fernab gerechten und zivilisatorischen Denkens sind.

Es gibt nichts, was in irgendeinem Geschäft, einer Fabrik, einer Wohnung, einem Theater, einem Feld oder in irgendeinem Vorlesungssaal oder Schule oder Labor passiert, für das der Islam nicht relevant ist. Der Islam ist keine Religion im westlichen Sinne sondern ein Lebensmuster. DIN bedeutet eine allumfassende Weltanschauung auf der Grundlage göttlicher Leitung. Er kam nicht für eine Gruppe, nicht für eine Nation, sondern für alle Menschen. Der Islam missioniert nicht. Der gerade Weg ist von falschem klar unterschieden (und unterscheidbar) sagt der Koran.

Wir müssen darüber nachdenken, warum das ungeheure erweiterte Wissen unserer heutigen Tage, welches eine wahnsinnig hohe Zahl von Experten hervorbringt, nicht in der Lage ist, die menschlichen Probleme zu lösen.

Wäre es nicht zu erwarten gewesen, daß ein höher technischer und zivilisatorischer Fortschritt auch eine hohe Lebensqualität für alle Menschen hervorgebracht hätte. Aber statt dessen sehen wir trotz des Vorhandenseins dieses überwältigenden Wissens und eines wahrhaft erstaunlichen Budgets für Forschung und Lehre, daß dies alles menschenverachtende Systeme, falsche Denk- und Normstrukturen

hervorgebracht hat, Katastrophen, die unseren Planeten innerhalb eines Zeitraums von nur 70 Jahren an den Rand seiner Existenz gebracht haben, 2/3 der Menschheit darbend, 1/3 hungernd und sterbend. Und davon abgesehen fernab eines menschenwürdigen, geistigen und materiellen Wohlstandes.

Für uns als muslimischen Jugendliche kann es daher a1s Alternative nicht heißen "der Islam sei etwas für das private Kämmerlein, und Islam habe nichts mit Bildung und Wissen zu tun, letzteres könne man nur aus westlichen Disziplinen erlernen und das ist das Heil der Welt" sondern für die muslimischen Jugendlichen kann es nur heißen: Wenn Allah uns im Koran gesagt hat, daß der islamische Weg, der gerade Weg, der Weg von " sa'adet, von Glückseligkeit in dieser Welt und in der jenseitigen ist, so ist es unsere Aufgabe, - wenn wir denn überhaupt daran glauben - diesen Weg zu gehen, und falls wir ihn verloren haben, ihn zu suchen. Dazu laden

wir uns selbst und alle anderen ein mit dem göttlichen Vers: "Kommt her zu einem Gemeinsamen Wort zwischen uns und euch, daß wir Allah allein verehren und ihm nichts zur Seite stellen." (Koran)

Das Wichtigste auf einen Blick

Der Islam, die Religion des Friedens. - Islam bedeutet wörtlich

  1. Frieden,
  2. Die Lebensweise, durch die man Frieden erlangen kann und
  3. Ergebung: denn die Ergebung in den Willen Gottes ist der sicherste Weg, den Frieden zu gewährleisten. Diese vollkommene Ergebung in Gottes Willen macht auch den religiösen Sinn des Wortes Islam aus.

Der Zweck der Religion.

Der Islam legt für seine Anhänger eine alles einschließende Lebensweise fest, mit deren Hilfe sie alles, was gut und edel ist am Menschen zur Entfaltung bringen können, so daß ungetrübter Friede herrschen kann von Mensch zu Mensch.

Der Prophet des Islams.

Mohammed, der Prophet des Islams, wie man ihn allgemein nennt, war der letzte der Propheten Gottes. Die Muslime, d.h. die Anhänger des Islams, glauben an alle Propheten Gottes, also auch an Abraham, Moses und Jesus, denen der Göttliche Wille zur Rechtleitung der Menschheit offenbart worden ist.

Der Koran - Das Heilige Buch der Muslime ist der Koran.

Die Muslime glauben an den göttliche Ursprung aller anderen heiligen Schriften, doch sind sie der Meinung, daß diese vorausgegangenen Offenbarungen durch menschliche Machenschaften verfälscht worden sind und das der Koran , das letzte Buch Gottes, als Zusammenfassung der früheren Heiligen Schriften gekommen ist. Er bestätigt erfüllt, vervollständigt und erklärt eingehend die eine wahrhafte Offenbarung, die von dem Einen, Wahren Gott zu allen Zeiten herabgesandt worden ist.

Die Glaubens - Artikel. - Diese sind 7 an der Zahl: der Glaube an

  1. Gott,
  2. die Engel,
  3. die offenbarten Bücher,
  4. die Gesandten Gottes,
  5. das Jenseits,
  6. die Vorherbestimmung von Gut und Böse,
  7. die Auferstehung nach dem Tod.

Das Leben nach dem Tod ist nach islamischer Lehre kein neues Leben, sonder eine Fortsetzung unseres Erden das eins, bei der alle verborgenen Tatsachen ans Licht kommen. Es ist ein Leben des uneingeschränkten geistigen Fortschritts würdig erweisen, werden in das Paradies eingehen, was eine andere Bezeichnung für das erwähnte Leben des geistigen Fortschritts nach dem Tode ist; jene aber, die ihre Fähigkeiten verkümmern lassen, indem sie sich zu schlechten Taten in diesem Leben hinreißen lassen, werden Bewohner der Hölle sein - also ein Leben führen, in dem sie paradiesische Glückseligkeit nicht empfinden zu vermögen und in dem sie großen Qualen ausgesetzt sind, damit sie sich von jeglicher Unreinheit befreien können und so für das Leben im Paradies reif werden. Der Zustand, der einem nach dem Tod zuteil wird, ist ein Spiegel des geistigen Zutands, in dem man sich in diesem Leben befunden hat. Der sechste Glaubens-Artikel ist von einigen verwechselt worden mit dem, was allgemein als Fatalismus bekannt ist. Ein Muslim glaubt nicht an den Fatalismus, er glaubt an die Vorherbestimmung in dem Sinn, daß alles, was von Gott erschaffen worden ist, zum Guten ist, sofern es in vorgeschriebener Weise und unter den entsprechenden Umständen verwendet wird. Wird es jedoch mißbraucht, so ist es von Übel und bringt Leiden mit sich.

Die Säulen des Islams.

Es gibt fünf Säulen des Islams, auf denen das Gebäude dieses Glaubens ruht:

  1. Bekenntnis zum Glauben an die Einheit Gottes und die göttlicher Sendung Mohammeds,
  2. Gebet,
  3. Fasten,
  4. Geben von Almosen,
  5. Pilgerfahrt zu den heiligen Stätten in Mekka.

Die Eigenschaften des Gottes.

Die Muslime beten zu einem einzigen Gott - dem Allmächtigen, Allwissenden, Allgerechten, dem Bewahren aller Welten, dem Freund, Hüter und Helfer. Es gibt nichts, das Ihm gleich wäre. Er hat keinen Teilhaber an seiner Macht. Er wurde nicht gezeugt und hat weder Sohn noch Tochter gezeugt. Er ist ein absolut Unteilbares Ganzes. Er ist das Licht der Himmel und der Erde, der Barmherzige, der Gnadenvolle, der Ruhmreiche, der Herrlicher, der Wunderschöne, der Ewige, der Unendliche, der Erste und der Letzte.

Glaube und Tat.

Der Glaube ohne entsprechende Taten wird zum toten Buchstaben. Glaube allein genügt nicht, sofern er nicht in die Tat umgesetzt wird. Der Muslim glaubt an seine persönliche Verantwortlichkeit für seine Taten hier auf Erden, für die er am jüngsten Tag Rechenschaft abzulegen hat. Jeder muß seine Bürde selbst tragen und niemand kann für die Sünde eines anderen Buße tun.

Bestrebungen

"Trachte danach, dich mit göttlichen Eigenschaften auszustatten," hat der Prophet gesagt, der selbst ein Muster an Edelmut war. Gott ist des Menschen Vorbild und Seine Eigenschaften bilden die Grundlagen der muslimischen Ethik. Nach islamischer Lehre besteht Aufrichtigkeit darin, daß man ein Leben in vollkommener Übereinstimmung mit den Göttlichen Eigenschaften führt. Anders zu handeln ist Sünde.

Fähigkeiten des Menschen nach islamischer Auffassung.

Der Muslim glaubt an die grundsätzliche Sündenlosigkeit des Menschen, der - da er mit den besten Gaben ausgestattet ist - die Fähigkeit besitzt, sich ohne Einschränkung immer höher zu entwickeln, wodurch er selbst den Engel überlegen ist und bis an die Grenzen der Göttlichkeit geführt wird.

Die Lage der Frauen im Islam.

Mann und Frau gehen ein und denselben Ursprung zurück, besitzen die gleiche Seele und sind mit gleichwertigen Fähigkeiten ausgestattet im Hinblick auf die Erlangung verstandesmäßiger und geistiger Errungenschaften. Der Islam erlegt Mann und Frau gleiche Verpflichtungen auf und räumt ihnen gegenseitige Rechte ein. "Eure Frauen," sagt der Prophet, "haben euch gegenüber Rechte, so wie ihr ihnen gegenüber Rechte habt." (2.228)

Gleichheit aller Menschen und die Islamische Bruderschaft.

Der Islam ist der Religion, der Einheit Gottes und die Gleichheit aller Menschen Herkunft, Vermögen und Familienzustand sind zufälliger Dinge; Aufrichtigkeit und die Bereitschaft, der Menschheit zu dienen, sind das. Was tatsächlich zählt. Unterscheidung aufgrund der Hautfarbe, der Rasse und des Glaubens gibt es im Islam nicht. Die ganze Menschheit ist ein einzige Familie und dem Islam ist es gelungen, Schwarze und Weiße zu einer brüderlichen Gemeinschaft zusammenzuschmieden. Das unumgänglicher Gebot der geschwisterlichen Zusammengehörigkeit ist vom Propheten mit den folgenden Worten festgelegt worden: "Keiner von euch glaubt wahrhaft an Gott, solange er nicht für seinen Bruder dasselbe wünscht wie für sich selbst."

Persönlicher Meinungsbildung.

Der Islam ermutigt die persönlicher Meinungsbildung ebenso wie er voneinander abweichende Auffassungen respektiert, die gemäß einem Ausspruch des Propheten Mohammed ein Segen Gottes sind.

Wissen.

Das Erwerben von Wissen wird im Islam als Pflicht betrachtet. Es ist die Aneignung der Wissen, die den Menschen selbst den Engeln überlegen macht.

Wertschätzung der Arbeit.

Jede Form von Arbeit, die es dem Menschen ermöglicht, ehrlich zu leben, wird hochgeachtet. Untätigkeit gilt als Sünde.

Mildtätigkeit.

Alle Fähigkeiten, die der Mensch besitzt, sind ihm als Vermächtnis Gottes mitgegeben worden, damit er sie zum Wohl seiner Mitmenschen und alle Geschöpfe verwende. Es ist des Menschen Pflicht, sich anderer anzunehmen und seine Hilfe muß allen Bedürftigen ohne unterschied der Person zugute kommen. Nach islamischer Auffassung bringt die Mildtätigkeit den Menschen näher zu Gott. Mildtätigkeit und das Geben von Almosen ist den Muslimen zur Pflicht gemacht worden und jeder, der Vermögen besitzt, das einen bestimmten Wert überschreitet, muß eine Abgabe entrichten, die den Reichen zugunsten der Armen auferlegt worden ist.

Islamische Ethik

Im Islam wird der Einsatz aller Fähigkeiten und Eigenschaften, die dem Menschen mitgegeben worden sind, gefordert, wobei nur die eine Einschränkung gemacht wird, nämlich daß diese bei richtiger Gelegenheit einzusetzen sind. Es wird vom Menschen erwartet, daß er sowohl Sanftmut wie auch Entschlossenheit an den Tag legt, doch jedes zu seiner Zeit. Der Koran lehrt die Muslime, sich unterzuordnen, doch nicht in dem Maß, daß sie die Selbstachtung verlieren; er ruft sie zu Vergebung auf, doch nicht auf solcher Weise, daß dadurch die Übeltäter ermutigt werden; er gesteht ihnen zu, von ihren Rechten Gebrauch zu machen, aber nicht so, daß dadurch die Rechte anderer verletzt werden; und schließlich verlangt er von ihnen, daß sie ihren eigenen Glauben verkünden, doch indem sie den anderer verunglimpfen.

Jesus wird als Überbringer der Göttlicher Lehre verehrt.

Der Koran (das Heilige Buch des Islam) spricht von Jesus mit größter Hochachtung. Er wird als Gottes auserwählter Prophet bezeichnet, den zu verehren Pflicht eines Muslim ist. Allerdings wird die Lehre, Jesus sei der Sohn Gottes, ebenso eindeutig zurückgewiesen wie die, daß Jesus die Sünden der Welt auf sich genommen habe, weil sie nach islamischer Auffassung spätere Erfindungen darstellen und niemals von Jesus selbst verkündet worden sind. Es gibt kein auserwähltes Volk. - Im Islam wird der Gedanke eines "auserwählten Volkes" abgelehnt. Als einziger Schlüssel zum Himmelreich gilt die aufrichtige Glaube an Gott und die daraus erwachsenden guten Taten. Keine Priesterschaft. - Der Islam ist die Religion eines jeglichen Menschen, der sich zu ihr bekennt. Der unmittelbare Zugang steht jedem Menschen offen, ohne daß irgendein Priester eine Vermittlerrolle übernimmt

Gottes Gesandter Mohammed. - Der Prophet Mohammed - geboren 570 n.Ch. , gestorben 632 - wurde vom Waisenknaben, der seinen Vater schon vor der Geburt und die Mutter im Alter von 5 Jahren verlor, zur stärksten Kraft, die es je in der Geschichte zur Moralischen, geistigen und gesellschaftlichen Wiederbelebung der tiefgesunkenen Menschheit gegeben hat. Als er noch ein junger Mann war, war er bereits für seine Reinheit und Aufrichtigkeit bekannt und erhielt den ehrenden Beinamen "Al-Amin", der Vertrauenswürdige und Rechtschaffene. Nachdem er den Aufruf zum Prophetentum erhalten hatte, waren er und eine kleine Schar seiner Anhänger 13 Jahre lang den ärgsten Verfolgungen, der Ächtung, Folter und dem gesellschaftlichen Boykott ausgesetzt. Schließlich mußte er mit den Seinen aus Mekka fliehen und im 250 Meilen entfernten Medina Zuflucht suchen. Dort selbst dort ließen ihn seine Gegner nicht in Ruhe. Sie stachelten die Stämmen gegen ihn auf und führten einen Angriff nach dem anderen in seinem fernen Asylort gegen ihn durch, um dem, was sie als Bedrohung ihres überkommenen Aberglaubens und ihrer ungerechtfertigten Vorherrschaft betrachteten, ein Ende zu setzen. In den daraus entstehenden kriegerischen Auseinandersetzungen errangen die Muslime aufgrund ihrer weit überlegenen Kampfmoral, die ihrem Glauben an eine gerechte Sache entsprang, einen überwältigenden Sieg über die gegen sie verbündeten Streitkräfte. Doch ganz im Gegensatz zu den üblichen Siegern in der Geschichte, die den ihnen Unterlegenen alle nur erdenklichen Strafen und Demütigungen auferlegten, erließ der Prophet, beseelt von höchster Ritterlichkeit, die der Islam einem überwältigten Feind gegenüber vorschreibt, nicht nur eine allgemeine Amnestie gegen seine blutdürstigen Widersacher, sondern reichte ihnen sogar hilfreich die Hände zum Bündnis, wodurch die gesamte Bevölkerung zu einer festen Gemeinschaft zusammengeschmiedet wurde. Damit wurde eine neue Epoche ins Leben gerufen, in der die moralischen Werte und die soziale Gerechtigkeit vorherrschten.

Vom Waisenknaben zum Staatsoberhaupt geworden, erlebte der Prophet Mohammed alle Höhen und Tiefen des menschlichen Daseins. Doch was auch immer auf ihn zukam, er wußte sich im Lichte der göttlichen Rechtsleitung zu behaupten und zeigte denen, die nach der Wahrheit suchen, im finsteren und harten Lebenskampf den Pfad der Wahrhaftigkeit, der Ehre und Menschenwürde, der sich in allen Dingen des Alltagslebens einhalten läßt. Doch vor allem das Bewußtseins, daß er ein ergebener Diener Gottes war, was den Kern seiner Sendung ausmachte, schwand nie in ihm. Selbst als Beherrscher der ungeheuren Weiten der Arabischen Halbinsel führte er sein Leben als einfacher Mensch wie alle übrigen, der sich nicht selbst scheute, seine eigenen Kleider zu waschen und auszubessern, seine Ziegen zu melken, seine Schuhe zu flicken und auch im Haushalt mit Hand anzulegen.

Im Propheten Mohammed haben sich die Prophezeiungen von Moses und Jesus erfüllt, daß ein Prophet erscheinen werde, der ein neues Gesetz bringen und die Menschen zur allumfassenden Wahrheit geleiten wird.

"Einen Propheten wie mich wird dir Jahwe, dein Gott, aus der Mitte deiner Brüder erstehen lassen, auf ihn sollt ihr hören." Denteronomium 18:15

"Noch vieles habe ich euch zu sagen; aber ihr könnt jetzt noch nicht tragen. Wenn jener aber kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch zur vollen Wahrheit führen. Denn er wird nicht von sich aus reden, sondern er wird reden, was er hört, und das Zukünftige wird er euch verkünden." Johannesevangelium 16:12,13

 

Fragen und Antworten

An dieser Stelle erhaltet ihr Antworten auf Fragen, die euch bewegen. Zögert nicht uns zu schreiben!

Was sind Hadithe?

Neben Quran (Vernunft und Konsens) ist die Sunna eine der Grundlagen unseres Glaubens. Die Sunna - das ist die Art und Weise, wie sich unser Prophet Muhammad (Allahs Gebet mit ihm und seiner Familie) in bestimmten Situationen verhalten hat. Denn der Gläubige ist verpflichtet, den Propheten so weit wie möglich nachzuahmen, seiner Sunna -Gewohnheit zu folgen. Was immer der Prophet machte oder sagte, wurde genau beobachtet und weitererzählt und später niedergeschrieben. Auf diese Weise entstanden die Hadith - die Überlieferungen. Nun wurden schon bald nach dem Tode des Propheten viele Hadith in Umlauf gesetzt, die nichts mit den Lebensgewohnheiten Muhammads (Allahs Gebet mit ihm und seiner Familie) zu tun hatten. Daher machten sich die Gelehrten sehr bald daran, alle Hadith auf ihren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Man kontrollierte die Kette, das heißt die Personen, durch die diese Hadith zurückzuverfolgen sind. Waren diese Personen zuverlässig? Konnten sie überhaupt zum Propheten Kontakt gehabt haben?. Leider gibt es manche Muslime, die mit den Hadith einigen Unfug betreiben: Zum Beispiel gibt es Muslime, die das Essen nicht mit dem Besteck zu sich nehmen, weil sie behaupten, der Prophet hätte mit den Fingern gegessen. Dabei sollen uns die Hadith eine Hilfe sein, Eigenschaften wie Güte, Gerechtigkeit und Opferbereitschaft in unserem Leben zu verinnerlichen.

Teufel? Wer oder was ist das?

In der quranischen Schöpfungsgeschichte (= die Erzählung, wie Gott die Welt geschaffen hat) erfahren wir erstmals vom Teufel: "Als dein Herr zu den Engeln sprach: ,Ich bin im Begriffe, den Menschen aus Ton zu erschaffen, und wenn Ich ihn gebildet habe und vom Meinem Geist in ihn gehaucht habe, dann neiget euch und bezeugt ihm Ehrfurcht.' Da beugten sich in Ehrfurcht alle Engel, ohne Ausnahme, bis auf Iblis. Er wandte sich hochmütig ab und war schon ungläubig...." (Quran 38:73-75)

Iblis glaubt, er ist besser als der Mensch, weil er aus Feuer erschaffen war und nicht aus Ton oder Lehm wie der Mensch und weigert sich Gottes Befehl auszuführen. Der Teufel oder Satan, wie er auch genannt wird, versucht, den Menschen mit immer neuen Tricks zu verfuhren, aber er bleibt ein Geschöpf Gottes. Er ist nicht als eine Art Gegenkraft zu Gott zu verstehen. Vielmehr gilt es für uns Menschen, jeden Tag aufs neue den Kampf gegen das Böse aufzunehmen, damit wir dem Ideal vom guten - gottgefälligen - Menschen nahe kommen. Nach einer Hadith des Propheten wurde er einst gefragt, wie sein Satan, d.h. seine niedere Seele, sich verhalte. Muhammad (Allahs Gebet mit ihm und seiner Familie) antwortete: ,Mein Satan hat sich mir ganz ergeben.' Damit wollte er darauf hinweisen, dass die niederen Triebe in uns verwandelt werden können, wenn man sie unaufhörlich bekämpft.

Was ist unter dem Wort "Engel" zu verstehen?

Ein Muslim glaubt an die Existenz von Engeln. Schließlich war es der Engel Gabriel, der dem Propheten Muhammad (Allahs Gebet mit ihm und seiner Familie) die Offenbarungen Gottes mitteilte und der auch der Jungfrau Maria das Gotteswort nahe legte. Der Quran erwähnt auch andere Engel. Sie sind aus Licht geschaffen. Vielleicht habt ihr von euren Eltern gehört, dass jeder Mensch zwei Schreiberengel hat, die unsere Gedanken, Worte und Taten notieren? Oder vom Schutzengel? Auf manchen Gemälden ist der Engel Israfil zu sehen, der beim Jüngsten Gericht die Posaune blasen soll. Aber sicher hat niemand jemals die Engel gesehen, um sich ein Bild von ihnen machen zu können, wie sie aussehen mögen. Das ist auch nicht wichtig. Es gibt aber einen Engel, den die allermeisten von uns furchten. Das ist der Engel des Todes, oft auch Esrail genannt.

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